Mit Schiedsrichtern reden

Warum mir ein Vorfall nicht aus dem Kopf geht

Vorweg: Ich habe allergrößten Respekt vor Schiedsrichtern und deren Leistungen. Ich bewundere sie sogar, weil sie einen Job übernehmen, der beinahe undankbar ist. Doch am vergangenen Wochenende gab es einen Vorfall, der mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Der Vorfall war keine Spielentscheidung und hatte absolut gar nichts mit unserer schlechten Leistung oder gar mit dem Ergebnis zu tun. Der Reihe nach.

Nach wenigen gespielten Minuten kommt unser Torwart aus seinem Tor heraus, um einen Ball in die Tiefe noch abzufangen. Er kommt zu spät und prallt mit voller Wucht mit dem Gegenspieler zusammen, geht zu Boden und bleibt liegen. Hier hätte sich keiner beschweren dürfen, wenn der Schiedsrichter die Rote Karte gegeben hätte. Es gab später nur Gelb. Aber das, was mich umtreibt, geschieht zwischen Foul und Bestrafung. Unser Keeper ist sichtbar angeschlagen, ächzt sich auf dem Boden krümmend. Aufgrund der Heftigkeit des Zusammenpralls eilen Co-Trainer und ein Ersatzspieler mit medizinischer Ausbildung auf den Platz (hauptberuflich Physiotherapeut). Letzterer erst, nach dem der Schiedsrichter sein Go gegeben hat, ersterer bereits zuvor. Als Zusatz: Unser Betreuer wird in ein paar Wochen am Knie operiert und kann derzeit nicht so schnell zur Stelle sein.

Der Ersatzspieler meckert beim Betreten des Platzes Richtung Schiedsrichter, der darauf verständlicherweise sofort anspringt. Unser Spieler kniet sich zum verletzten Torwart, der immer noch auf dem Rücken liegend nach Luft ringt, und gibt dem Schiedsrichter beim Behandeln seines Mitspielers abermals Widerworte. Bevor unser Keeper fertig behandelt ist, schickt der verständlicherweise vom Meckern genervte Schiedsrichter den behandelnden Ersatzspieler mit einer Gelben Karte vom Feld. Der Bitte, seinen Spieler zu Ende versorgen zu dürfen, kommt der Schiedsrichter nicht nach. Das alles passiert innerhalb von maximal ein bis zwei Minuten. Unser Torwart versucht erst weiterzuspielen, kommt dann nach Luft ringend und unter Schwindel mit Tränen in den Augen vom Feld und wird außerhalb weiter behandelt.

Wir verlieren das Spiel verdient. Keine Schiedsrichterentscheidung hatte daran einen Anteil. Im Gegenteil: Alle Schiedsrichterentscheidung waren richtig. Darum geht es mir wirklich überhaupt nicht. Wichtig für den Kontext ist aber, dass der Schiedsrichter mit seiner Art, jede Emotion zu ersticken, jeden Kommentar zu kommentieren, nicht nur das Frustrationslevel bei uns, sondern auch beim stets führenden Gegner steigerte. Auch hier will ich betonen, dass jeder Schiedsrichter seine eigene Linie hat und das auch in Ordnung ist. Auch wir Beteiligte gehen mit unserer Art den Schiedsrichtern auf die Nerven. Die Erwähnung ist nur wichtig für den weiteren Verlauf der Geschichte.

Nach dem Schlusspfiff kommt der Ersatzspieler zu mir, der nach fünf Minuten unseren Torhüter behandelt hatte. Er erzählt mir, dass es ihn nicht los lässt, dass er seinen Mitspieler nicht zu Ende versorgen durfte, seine Erste-Hilfe-Pflicht nicht ausführen durfte, dass der Zusammenprall schlimm genug war, dass der Keeper seine Zunge hätte verschlucken können, Nacken- oder Rippen etwas hätten abbekommen können. All das war zu dem Zeitpunkt, als er den Platz verlassen musste, noch nicht klar.

Daraufhin habe ich beschlossen, noch einmal in Ruhe mit dem Schiedsrichter zu sprechen und ihm mitzuteilen, was uns beschäftigt. Ich bin zur Kabine gegangen, vor der er und seine Assistenten standen, habe ihn gefragt, ob er noch eine Minute hätte. Schon beim Schildern des Vorfalls wurde ich mehrfach unterbrochen. Der unhöfliche Ton auch in dieser spielfernen Situation, in der ruhig ein Anliegen geschildert wurde, setzte sich fort. Auf die Anmerkung, der Spieler hätte pöbelnd den Platz betreten, habe ich ihm Verständnis entgegengebracht, auch für seine Entscheidung, ihn mit Gelb zu bestrafen. Dann kam der Vorwurf, warum man ihm nicht vorher gesagt hätte, dass der Spieler eine medizinische Ausbildung habe. Wie viele solcher Notsituationen, in denen das Wissen eines Betreuers endet, gibt es denn bitte in einer Saison, fragte ich. Es ändert in dieser Situation vor allem nichts daran, dass hier eine Situation vorlag, in der das alles egal ist, in der schnell geholfen werden muss.

Plötzlich monierte er, dass der Schiedsrichteransprechpartner sich nach dem Spiel nicht mehr bei ihm gemeldet habe, obwohl er den Wunsch unserem Kapitän nach Abpfiff mitgeteilt hatte. Es würde einen Sonderbericht zur Folge haben. Okay, soll er schreiben. Ich habe abermals ruhig versucht, ihn darauf hinzuweisen, dass wir uns einfach nur gewünscht hätten, dass bei allen eigenen Fehlern die Erste Hilfe in einer sichtbaren Notsituation zu Ende durchgeführt hätte werden können. Daraufhin brach er immer wütender, immer lauter werdend das Gespräch ab.

Ich bin ein emotionaler Trainer. Ich meckere mal, ich schieße auch mal übers Ziel hinaus. In diesem Spiel bekam ich für das vehemente Fordern des Schlusspfiffs nach Ablaufen der dreiminütigen Nachspielzeit beim Spielstand von 2:5 die Gelbe Karte. Geschenkt. Ich bin auch immer jemand, der den Dialog sucht, vielleicht manchmal zu oft etwas erklären will. Kommunikation ist doch das, was uns am Ende auf dem Sportplatz vereinen kann. Ich bin als Sportsmann zum Schiedsrichter und wollte einfach nur ein „Okay, das habe ich falsch eingeschätzt. Die Behandlung hätte zu Ende durchgeführt werden müssen, aber das Meckern geht auch nicht“ von ihm Hören. Stattdessen gab es eine große Portion „von oben herab“. Und nach 90 Minuten am Spielfeldrand hätte das irgendwie auch vor dem Versuch, ein Gespräch zu führen, klar sein müssen.

Warum ich das aufschreibe? Ich will mehr Miteinander, mehr Dialog, mehr Austausch. Kein Schiedsrichter muss sich unsachlich bepöbeln lassen wegen seiner Entscheidungen, vor allem nicht im Amateurfußball. Aber ist es als Spielleiter nicht wichtig, kommunikativ und auch verständnisvoll zu sein, in den Dialog mit Spielern und Verantwortlichen zu treten, besonders wenn diese nach Abklingen der Emotionen in Ruhe das Gespräch suchen?

Komplex wie nie: Die Sommervorbereitung 2021

Die Befürchtungen waren ohnehin schon groß, die Realität ist noch schwieriger als gedacht. Aus verschiedenen Gründen ist diese Vorbereitungsphase die komplexeste, die ich als Trainer bisher erlebt habe. Ein schwieriger Spagat zwischen geduldigem Verständnis und unerfülltem Anspruch. Ein Erklärungsversuch.

Sieben Monate ohne Fußball. Abgesehen von ein paar Einzeltrainings fand nichts statt. Wie im vorherigen Text beschrieben war klar, dass diese völlig ungewohnt lange Zeit ihre Spuren bei allen Beteiligten hinterlassen würde. Wie groß diese Spuren wirklich sind, zeigt aber erst diese Saisonvorbereitung. Schließlich fand von November bis Mai nicht nur Fußball nicht statt, sondern auch alles andere kam viel zu kurz. So wird der ohnehin schwierig zu erlangende Termin-Rhythmus bei den Spielern verstärkt durch andere soziale Sehnsüchte wie Urlaub und Freizeitaktivitäten mit Partnerin, Familie und Freunden.

Urlaub, Impfung, Verletzte

Als Trainer gerate ich dabei in eine schwierige Situation. Anders als in den Jahren vor Corona streckt sich die Urlaubsphase nicht von Mai bis Oktober, sondern konzentriert sich stark auf den Juli und August. Ich habe dafür Verständnis. Jeder lechzt nach Freiheit und Erlebnissen. Trotzdem macht mich die Summe der urlaubsbedingten Absagen rasend, weil das den Vorbereitungsprozess der Mannschaft härter ausbremst als jemals zuvor. An Inhalten nachhaltig zu arbeiten, ist kaum möglich.

Die Urlaubsreisen nehmen kein Ende. Ostseewochenende folgt auf Ostseewochenende, Kurztrip auf Kurztrip. Dazu, auch wenn natürlich absolut lobenswert, fallen jede Woche 2-3 Spieler wegen Erst- oder Zweitimpfung aus. Zu guter letzt gibt es in jeder Vorbereitung angeschlagene Spieler. In Summe führt das allein bei meiner Mannschaft dazu, dass wir zwei unserer sechs Testspiele absagen mussten. In 14 Jahren Herrenfußball hatte ich zuvor noch nie ein Spiel abgesagt.

Schrei nach Kontinuität

Aber das ist noch nicht alles. Nicht nur, dass ohnehin wenig Spieler zur Verfügung stehen, es ist auch durchweg ein zusammengewürfelter Haufen. Nur eine handvoll Spieler kommen auf eine gute Trainingsbeteiligung von 80 bis 100 Prozent. Der Rest gibt sich die Klinke in die Hand und ist im Wechsel mal da und mal nicht. Das Fitnesslevel der gesamten Mannschaft ist so kaum auf ein gleiches Niveau zu bekommen. Auch in den Testspielen ist ob des wechselnden Personals kaum Kontinuität auf einzelnen Positionen zu erlangen. Teilweise müssen Spieler auf Positionen ran, die sie noch nie oder kaum gespielt haben.

Auch ich muss ehrlich sein: Nach acht Monaten ohne regelmäßiges Mannschaftstraining und Wettkampf am Wochenende, loderte das Feuer lange überraschenderweise nur auf Sparflamme. Da sich auch privat (ich bin Papa geworden) mitten in der Vorbereitung Bedeutendes verändert hat, bin ich in meinen eigentlich heiß geliebten Preseason-Modus nicht hineingekommen.

Auskotzen, um das Feuer zu entfachen

Doch bei all den Widerständen wird doch auch wieder eines klar: Manchmal muss man sich zwingen, seine Erwartungshaltung der Realität anzupassen, sich nicht auf ein Duell zwischen geduldigem Verständnis und unerfülltem Anspruch einzulassen. Was mir dabei geholfen hat, ist das Auskotzen beim Trainerteam, das ähnlich fühlt, sind Gespräche mit Führungsspielern, die ebenfalls den Vibe vermissen, der Austausch mit anderen Trainern, denen es tatsächlich komplett genauso geht. Rauslassen ist immer besser als Anstauen. Und in dem Moment, in dem ich bei einzelnen meinen Unmut äußern konnte, platzte direkt neue Motivation heraus.

Wie gerufen kam dann das letzte Testspiel vor dem Pokalauftakt kommende Woche. Irgendwie ging nach dem 0:1 ein Ruck durch das gesamte Team, eine gewisse Genervtheit, eine lange vermisste Resilienz. Auch wenn es am Ende „nur“ ein 1:1 gab, war es das beste Spiel seit langem. Nicht, weil alles geklappt hat, sondern weil alles drin war. Plötzlich wieder Feuer, endlich wieder Leidenschaft und große Hoffnung, dass sich das aufrechterhalten lässt trotz aller Unwegbarkeiten.

Freiraum für Euphorie: Wie ich meine Spieler langsam wieder an den Fußball-Rhythmus gewöhne

Trainingsstart © Thorge Huter

Das war schon ein besonderer Moment, endlich wieder mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. In allen Gesichtern war eine große Freude zu erkennen, sich wiederzusehen, den Ball wieder am Fuß zu haben. Doch bei aller Euphorie spüre ich auch, dass sich viele Spieler erst wieder an Fußball gewöhnen müssen. Damit meine ich gar nicht so sehr die körperlichen Aspekte, sondern vor allem die ungewohnte Terminpflicht. Besonders mit Blick auf den unsicheren Saisonstart-Termin in noch fast ferner Zukunft. Fußball war sieben Monate verschwunden, jetzt ist er wieder da. Wie viel Prozent kann ich von den Spielern verlangen?

Ich war selber lange genug Spieler, um mich daran zu erinnern, dass es immer reizvoller ist, ein Ziel vor Augen zu haben. Dieses Ziel ist in der Regel der Saisonstart, der dazu führt, dass Spieler in der Vorbereitung bereiter dafür sind, sich zu quälen. Dieses Ziel ist anders als sonst nicht nur 4-6 Wochen entfernt, sondern vermutlich noch 8-10. Ich kann verstehen, dass sich einige Trainer sofort auf die Suche nach Testspielgegnern machen, am besten direkt am nächsten Wochenende. Doch ich werde das nicht tun. Nicht nur, dass ich persönlich die Verletzungsgefahr nach so langer Pause für hoch halte, auch denke ich, dass sich die jetzige Euphorie nicht über so viele Wochen ohne Pflichtspiel tragen lässt. Spieler mögen kurze, knackige Vorbereitungen, nicht mehrere, ewig erscheinende Wochen.

Deswegen habe ich mich für einen anderen Ansatz entschieden. Wohlgemerkt bei einer Herrenmannschaft. Bei Junioren ist das aufgrund des Entwicklungsaspekts sicherlich anders zu bewerten. Davon ausgehend, dass die neue Saison vermutlich direkt Anfang August starten wird, müssen meine Spieler bis zum Vorbereitungsstart Ende Juni nur einmal pro Woche verpflichtend trainieren. Wer mag, kann auch beide Male wahrnehmen. Auch eine dritte Einheit mit Kleinstgruppen oder Einzeltraining wird zur Verfügung stehen. So kann jeder Spieler ganz individuell entscheiden, mit welchem Pensum er sich an die terminliche und körperliche Belastung gewöhnen will. Spiele werden erst mit Start der Sommervorbereitung stattfinden. So kommen alle langsam wieder in den Rhythmus, lecken wieder Blut, ohne von 0 auf 100 starten zu müssen.

Dieses Vorgehen habe ich nicht ganz alleine beschlossen, sondern mit dem Mannschaftrat abgesprochen. Durch ganz unterschiedliche Rückmeldungen können in der Trainingsgestaltung alle Strömungen innerhalb des Teams berücksichtigt werden. Jetzt steht erst einmal das gemeinsame Fußballspielen im Vordergrund und ab Ende Juni rücken dann wieder ambitionierte sportliche Ziele in den Fokus. Ich freue mich darauf.

Restart rückt näher – so startet ihr fit ins Mannschaftstraining und beugt Verletzungen vor

Verbesserung maximale Sauerstoffaufnahme

Die Inzidenzzahlen fallen bundesweit, Lockerungen für den Sport sind in Aussicht. In ein paar Wochen werden wir wohl wieder in Gruppen auf den Platz dürfen. Doch nach dann knapp sieben Monaten ohne Mannschaftstraining ist die Verletzungsgefahr besonders bei erwachsenen Amateurfußballer:innen größer denn je. Spieler:innen sollten sich von nun an auf den Restart vorbereiten, um Verletzungen vorzubeugen. Diese Vorbereitung sollte über den klassischen und vermutlich in den vergangenen Monaten häufiger durchgeführten Dauerlauf hinausgehen.

Wenn wir zu Spielformen zurückkehren, verlangen wir von unserem Körper ein ganz anderes Bewegungsmuster mit vielen Abstoppbewegungen und Richtungswechseln. Die Erfahrungen aus den Einzeltrainings haben gezeigt, dass der Körper nicht nur Zeit benötigt, um sich an diese plötzlich ungewohnten physischen Belastungen zu gewöhnen, auch konditionell wird auf einmal wieder etwas völlig anderes von ihm verlangt. Deshalb möchte ich euch ein paar Dinge an die Hand geben, wie ihr euch wieder fußballfit bekommt, damit euer Körper fußballspezifische Bewegungen wieder gut meistern kann. Ich gehe dabei davon aus, dass regelmäßige 30-40 minütige Dauerläufe zumindest annähernd regelmäßig durchgeführt wurden.

Maximale Sauerstoffaufnahme durch HIIT-Workouts verbessern

Im ersten Schritt stellen wir also von Dauerlauf auf Intervallbelastung um. Intervalle verbessern die maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) deutlich effektiver als jeder Dauerlauf. Ich will nicht zu wissenschaftlich werden. Alles, was ihr zur VO2max wissen solltet: Wer unter Belastung maximal viel Sauerstoff pro Minute über die Lunge aufnimmt, verbessert den Sauerstofftransport über das Blut und damit die Sauerstoffversorgung der Zellen. Wer also seine maximale Sauerstoffzunahme durch Training erhöht, ist besser ausdauernd leistungsfähig.

Mit unterschiedlichen Intervallläufen, sogenannten HIIT-Workouts (High Intensitiy Intervall Training) könnt ihr eure VO2max verbessern. 4x 1000m (max. 4:00 min/km Richtzeit) sind dabei das längste Intervall, das ich euch an die Hand geben möchte. Viele kennen das vielleicht aus dem Fußballtraining mit 4x vierminütigen, hochintensiven Spielformen oder auch Parcouren. Je nach Fitnesszustand machst du 2 bis 3 Minuten Pause zwischen den Wiederholungen. Die Pause darf gerne aktiv sein. In diesem Fall ist Gehen ausreichend.

Auch 6x 400m Intervalle (max. 1:30 min/Runde Richtzeit) oder 8x 200m sind gute gleichmäßige Intervallübungen. Ich persönlich bevorzuge kürzere Intervalle ab 400m abwärts, weil ich mich in kürzerer Zeit maximal verausgaben kann. Als Variante empfehle ich persönlich die Kombination unterschiedlicher Intervalle. Hier 3 Übungen für ein kombiniertes Intervalltraining:

Workout 1
– 2x 400m (90-95% Intensität)
– 3x 200m (90-95% Intensität)
– 4x 80m (90-95% Intensität)
– 1:30 min Pause zwischen den 400er und 200er Intervallen, 45 sec zwischen den 80ern

Workout 2
– 2x 400m (1:45 min/Runde Richtzeit, jeweils 1:00 min Pause)
– 4x 100m (90-95% Intensität, jeweils 30 sec aktive Pause)
– 1x 400m direkt nach dem letzten Sprint, also ohne Pause (1:45 min Richtzeit)
– insgesamt 3 Sets mit je 3:00 min Pause zwischen den Sets

Workout 3
– 1x 200m (15 sec Pause)
– 1x 400m (30 sec Pause)
– 1x 600m (45 sec Pause)
– 1x 800m (60 sec Pause)
– 10x 150m (jeweils 15 sec Pause dazwischen)
– Tempo nach Leistungsvermögen aber mindestens 85% Intensität

Wenn ihr in den kommenden 2-3 Wochen bis zum möglichen Restart 2x/Woche ein solches Workout macht, schafft ihr schon eine gute Grundlage. Häufiger als 3x mal HIIT pro Woche solltet ihr sein lassen. Der Körper benötigt bei maximaler Beanspruchung auch ausreichend Erholung.

Sprintintervalle für einen noch besseren Trainingseffekt

Wer die Intensität noch steigern und sich noch fitter beim Restart zeigen möchte, der kann auch maximale Sprint-Intervall-Workouts einbauen. Ich würde das immer empfehlen. Durch die maximale Belastung beim Sprinten werden Muskeln aktiviert, die bei geringerer Intensität nicht beansprucht werden. Wer mag, kann auch ganz fußballnah mit Richtungswechseln sprinten. Auch hier gebe ich euch 3 Übungen an die Hand.

Workout 1 – Pyramide
– 16x 25m Sprint (gleiche Distanz aktive Erholung durch Traben)
– 8x 50m Sprint (gleiche Distanz aktive Erholung durch Traben)
– 4x 100m Sprint (gleiche Distanz aktive Erholung durch Traben)
– 8x 50m Sprint (gleiche Distanz aktive Erholung durch Traben)
– 16x 25m Sprint ((gleiche Distanz aktive Erholung durch Traben)

Workout 2 – Buchstaben-Sprints mit Richtungswechseln
– mit Markierungsscheiben ein M abstecken (6x 6m Feld)
– das M entlang sprinten und beim Richtungswechsel kräftig abdrücken
– 3x 6 Wiederholungen, Pause: 15 sec zwischen den Sprints / 2:00 min zwischen den Sets

Workout 3
– 50/75/100/150/200m Sprint (dazwischen gleiche Distanz aktive Erholung)
– 3-4 Sets, 3:00 min Pause zwischen den Sets

Die Vorteile von HIIT

Egal für welches HIIT-Workout ihr euch in eurer Trainingswoche entscheidet, erzielt ihr positve Trainingseffekte. Ihr verbrennt deutlich mehr Körperfett als bei moderatem Training. Außerdem wird durch den überdurchschnittlich hohen Sauerstoffverbrauch euer Stoffwechsel angeregt. Das allerbeste am HIIT ist aber der Nachbrenneffekt. Um euren Körper wieder in einen Normalzustand zu bringen, wird auch viele Stunden (24 bis 72, je nach Intensität) nach dem Workout noch Energie benötigt. Auch wenn dieser Effekt auch mit moderatem Lauftraining erzielt werden kann, benötigt ihr beim HIIT dafür viel weniger Zeit. Es ist also effizienter. Außerdem zeigen Studien, dass ihr eure Ausdauer mit HIIT im Vergleich zu normalem Lauftraining drei- bis viermal so schnell verbessert.

Abschließend möchte ich natürlich auch sagen, dass dieses Training euch nur auf die bevorstehenden Belastungen vorbereitet. Fußballspezifische Ausdauer ist noch mal eine andere, die ich persönlich am liebsten mit dem Ball trainiere und nicht auf der Laufbahn.

13 Monate Fußball mit Corona – wie ein Tiefschlag meine Motivation zurückbrachte

Corona Fussball Training

Ein Jahr und einen Monat lang hat uns die Pandemie schon im Griff. Bis auf wenige Monate Ausnahme im vergangenen Sommer ist auch der Fußball lahmgelegt. Eine klare Perspektive gibt es weiterhin nicht. Nur die Hoffnung, dass ja irgendwann alles vorbei sein müsse, schlummert noch irgendwo im Hinterkopf. Der Lehrlauf hat Folgen. Die Verbindung zum Sport, zum Spiel bröckelt.

Zuletzt haben zwei Spieler in meiner Mannschaft zum Saisonende aufgehört. Wann auch immer das genau sein soll oder vielleicht auch schon war. Mich hat das persönlich getroffen. Beide Spieler sind Mitte/Ende 20, voll im Saft, zählten zum Stammpersonal. Der Abstand zum Fußball hat den Kopf ins Grübeln gebracht und Raum gegeben, über eigene Prioritäten nachzudenken. Wer kann es ihnen verübeln? Noch nie war es emotional so leicht, mit dem Fußballspielen aufzuhören wie jetzt.

Ich mache mir Vorwürfe. Ich habe die Mannschaft in der Zeit, in der gar nichts stattfinden konnte, alleine gelassen. Der Grund ist einfach: Ich habe mich selbst gefragt, ob ich mich als Spieler an einem Dienstagabend im Winter vor den Laptop setzen und Pamela-Reif-Workouts machen möchte oder mich zu einer Laufchallenge in die Dunkelheit zwinge. Nein, war die Antwort. Ähnliches war auch aus Gesprächen mit Spielern herauszuhören. Was im ersten Moment vielleicht die richtige Lösung zu sein schien, hat die Entfremdung vom Fußball, auch vom Team unterm Strich sicherlich etwas verstärkt.

Warum ich zu dieser Annahme komme? Seitdem wir in Hamburg wieder unter der Woche unter Flutlicht reguläres Einzeltraining (2 Spieler + 1 Trainer) machen können, entsteht eine tolle Sogwirkung. Herrschte am Anfang bei vielen Spielern noch Skepsis (nur wer möchte, trainiert auch), will jetzt fast jeder regelmäßig wieder auf dem Platz stehen, sich bewegen, zumindest mal 1-2 Teamkameraden sehen, unter der Woche mal rauskommen und mal etwas Anderes machen. Die Distanz zum Fußball war also anfänglich spürbar. Auch in Gesprächen wird klar, dass viele die terminliche Freiheit ganz gut fanden und finden. Doch umso näher jeder von ihnen dem Ball, den Jungs, der Routine kommt, desto stärker wird auch das Verlangen danach. Deshalb denke ich, dass auch regelmäßige Zoom-Workouts anfänglich vielleicht Überwindung gekostet hätten, aber dann doch ein stückweit mannschaftliches Zusammensein hätten bedeuten können.

Klar ist aber auch: Auf dem Platz zu stehen und den Ball aufs Tor zu schießen, ist etwas komplett Anderes, als auf dem Wohnzimmerboden Squat Jumps zu machen. Deshalb auch folgende Erkenntnis: Um den Amateursport mit viel Schwung wieder anrollen zu lassen, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, muss die minimalste Form des Fußballtrainings weiterhin möglich sein. Draußen zu sein bedeutet geringes Risiko. In 3-4 kleinen Zweiergruppen auf einem ganzen Platz zu trainieren, bedeutet geringes Risiko. Die Kabinen bleiben ja zu, die Gruppen während des Trainings getrennt. Natürlich ist es ein Luxus, wenn man dieses Angebot mit 3-4 Trainern machen kann, aber selbst wenn nicht so viel Personal zur Verfügung steht: Jedes Einzeltraining sorgt für Ausgleich, für Abwechslung, für Herumalbern und Sprücheklopfen mit ein paar der Jungs. Vor allem aber wirkt es der fehlenden Motivation, der wachsenden Distanz zum Fußball entgegen.

Dass das Aufhören zwei meiner Spieler und der Start in einen regulären Einzeltrainingsbetrieb quasi zeitgleich kam, hat in mir eine Motivationsexplosion ausgelöst. Ich stehe wieder dreimal die Woche auf dem Platz. Anfänglich habe ich Couch und Netflix auch etwas vermisst. Jetzt freue ich mich bei Wind und Wetter auf den Platz, plane die neue Saison (wann auch immer diese starten wird), schaue mir Probespieler im Einzeltraining an.

Einzeltraining macht richtig Laune. Und vor allem macht es Sinn. Ich habe letztens mit einem Trainerkollegen gesprochen, der in meinem Verein die U17-Regionalliga trainiert. „Individuell haben sich die Spieler richtig gut weiterentwickelt durch das Einzeltraining“, hat er gesagt. Auch bei meinen Herren sehe ich beim Erstkontakt, beim Passspiel, beim Abschluss Fortschritte. Es lohnt sich also und wird sich vor allem dann auszahlen, wenn alle wieder gemeinsam auf den Platz können. Trotzdem bieten viele Herrenteams kein Einzeltraining an. Die Quittung könnten weitere Kündigungen sein. Ich tue jetzt alles, damit das in meiner Mannschaft nicht weiter passiert.