Du bist mehr als nur eine Facette? Dann zeig es mit einem Hoodie!

Multitalent Trainer*in – Alleskönner viervierzwei

Von Trainern*innen wird heute viel verlangt. Sie sind Pädagogen, Mentoren, Taktikfüchse aber auch Kommunikationsexperten, Organisationstalente und Mediatoren. Ganz nebenbei sind sie auch noch Menschen. Sie müssen nicht alles perfekt beherrschen, aber von jedem ein bisschen etwas. Jeder hat seine Stärken und jeder seine Schwächen, doch ein facettenreiches Anforderungsprofil erfüllen alle Trainer*innen.

Auf den ersten Blick einfach und auf den zweiten vielschichtig – auf kein anderes Spielsystem trifft das so zu wie auf viervierzwei. viervierzwei ist die Basis. Zwei Viererketten, zwei Stürmer. Aus dieser Formation kann alles entstehen. Mit Ball. Gegen den Ball. Ein Sechser kippt ab, die Außenverteidiger schieben hoch, ein Stürmer lässt sich fallen. viervierzwei ist variabel. Es wird schnell zu einem 3-4-3 oder zu allem, was man möchte. Nicht jeder Trainer lässt viervierzwei spielen, aber jeder Trainer ist viervierzwei. Eins wird zu vielen, viele werden eins.

viervierzwei richtet sich an diese Multitalente, drückt ihre Passion aus. Die schlanke Taktiktafel als bildliche Gemeinsamkeit und eine der vermeintlich trivialsten Formationen als Ausdruck des Facettenreichtums eines Trainers / einer Trainerin. Denn genau wie hinter der Formation viervierzwei steckt hinter der Trainerfassade eine besondere Vielschichtigkeit, nein eine einzigartige.

viervierzwei führt diese beiden Teile zusammen, gibt Trainern eine Möglichkeit sich auszudrücken, auch in ihrer Freizeit.

Der Hoodie macht den Anfang

Ein Hoodie, der viervierzwei auf der Brust trägt, ist robust, stark, hält etwas aus. Genauso wie derjenige, der ihn trägt.

Jetzt richte ich mich an euch: Trainer, Spieler, Fußballbegeisterte und wer sonst noch Lust auf dieses Teil haben könnte. Ihr seid mehr als nur eine Facette, ihr habt mehr als nur eine Stärke. Zeigt es, tragt es und drückt euch aus.

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Jeden Spieler besser machen

Wie sich Fußballcoach Nate Weiss vom US-college in den trainerstab des 1. fc NÜrnbergs arbeitete

Nate Weiss ist ein gefragter Mann. Der US-Amerikaner arbeitet im Trainerstab des Profiklubs 1. FC Nürnberg und ist dort für das Individualtraining verantwortlich. Seit nun mehr drei Wochen versorgt er seine Spieler mit Übungen für das Training in der Isolation und teilt einige davon auch bei Instagram. Techniktraining im Wohnzimmer. Individuelles Coaching in der Corona-Krise.

Übungen für Laminat und Garten

Ein paar Markierungsscheiben oder ein anderes Hindernis, einen Ball und ein paar Schuhe – mehr braucht es nicht für die Übungen, die Coach Nate seine Spieler und die wachsende Instagram-Community durchführen lässt. Es geht alles ganz schnell. Innenseite, Außenrist, Sohle, Zwischenschritt, linker Fuß, rechter Fuß und das immer und immer wieder. „Wichtig ist, dass die Spieler selbst in einen Fluss kommen und die Übungen kreativ interpretieren“, erklärt der Coach den Ansatz seiner Ideen. Den Profis vom 1. FC Nürnberg gibt das die Möglichkeit, auch daheim ihre Technik zu verbessern und die Corona-Pause sinnvoll zu nutzen. Regelmäßig stellt Nate Videos mit Übungen in die eigens dafür vorgesehene WhatsApp-Gruppe mit den Spielern.

Abläufe bis zur Perfektion

Im Spielerkreis und im Trainerstab des FCN genießt Nate Weiss aber nicht nur wegen seiner Kreativität in Krisenzeiten ein hohes Ansehen. Der Trainer mit großem Faible fürs individuelle Coaching ist auch im regulären Trainingsalltag des Zweitligisten wichtiger Bestandteil des Staffs. Er feilt an den Stärken und arbeitet an den Schwächen eines jeden Profis des Clubs. In Extraschichten trainiert er mit Spielern einzelner Positionsgruppen oder mit Rekonvaleszenten, die für ihr Comeback arbeiten. „Ich verfolge die Philosophie, die Performance einer Mannschaft dadurch zu steigern, dass jeder einzelne Spieler besser wird“, erklärt Nate. Das Ziel: Technische Abläufe soweit perfektionieren, dass sie zu jeder Zeit im Spiel unabhängig von Zeit- oder Gegnerdruck abgerufen werden können.

Vom Basketball inspiriert, in Europa verfeinert

Schon immer wollte Nate Trainer werden. Als ihm sein Studium in den USA nicht mehr zusagte, packte er seine Sachen und zog nach Europa. Hier spielte und trainierte er in Spanien, Irland, Israel, Serbien, Lettland, Schweden und Deutschland. Bei jedem Klub, bei dem er einen Vertrag als Spieler unterzeichnete, arbeitete er auch als Trainer im Nachwuchsbereich. Seine technischen Fähigkeiten verdankt er seinem Talent und seiner Jugend in Miami, wo er Tag ein Tag aus mit lateinamerikanischen Freunden kickte. Die Idee für das individuelle Training nahm er aus den USA mit. „Ich habe an der Uni das Training des Basketballteams beobachtet. Ein Basketballer übt einen Schuss von derselben Position immer und immer wieder, bis er von 100 Würfen 90 trifft. Das hat mich inspiriert“, erzählt Nate.

Diese Inspiration begleitete den heute 32-Jährigen auf seiner fußballerischen Reise durch Europa. „Ich wollte den Fußball kennenlernen, ihn studieren. Nirgendwo geht das besser als in Europa.“ An keinem Ort hielt es ihn lange. Die Neugier nach Neuem war zu groß, die Wissbegierigkeit zog ihn von Land zu Land. In Schweden schaute er sich ebenso viel ab wie in Serbien. „Dort war die Toilette des Vereins ein Loch in der Erde, aber im Nachwuchsbereich wurde trotzdem perfekt ausgebildet“, erinnert sich der Trainer. Technik und Ballarbeit standen im Fokus. Komponenten, die das heutige Training von Nate auszeichnen.

Eine Technik, verschiedene Abläufe

Beispiel Stürmertraining: Besprochen wird unter anderem der Treffpunkt des Balls mit dem Fuß. Der Spieler schließt aus naher und ferner Distanz auf ein Mini-Tor im unteren rechten Eck eines Großfeldtores stehend ab. Es kommen Drehungen hinzu. Dann mit einem Gegenspieler und schließlich mit Körperkontakt. Der Coach verändert die Gegebenheiten, die Technik muss dieselbe bleiben. „Ich gebe die Technik vor, der Spieler interpretiert den Ablauf“, erklärt Nate.

Zu Tränen gerührt

Sein Ansatz des Individualtrainings hat ihn von Spanien über Lettland bis in den Trainerstab des 1. FC Nürnbergs geführt. Deutsch spricht Nate fließend, auch Spanisch und Portugiesisch. Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Vertrauensperson. „Ich tue alles dafür, die Spieler besser zu machen.“ Respekt zollen ihm die Spieler gerade deshalb. Die Individualität des Trainings lässt besondere Bindungen entstehen. Wie besonders zeigt ein Beispiel aus der letzten Saison. Der damalige Nürnberger Matheus Pereira trifft zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen den FC Bayern München, aus einer Bewegung heraus, die er mit Nate Weiss zuvor hunderte Male geübt hatte. „Ich hatte tatsächlich Tränen in den Augen“, gibt Nate heute zu.

Es sind Momente, die ihn motivieren, ihn noch härter arbeiten lassen. Wenn er seine Motivation aktuell nicht auf dem Platz entfalten kann, bringt er sie halt in die Wohnzimmer seiner Spieler und in die vier Wände zahlreicher isolierter Kicker, die trotz Corona nicht aufhören wollen, sich zu verbessern. Der nächste Video-Upload läuft bereits.

Ich suche Trainer!

Ich brauche einmal eure Hilfe. Ich bin für ein neues Projekt auf der Suche nach Fußballtrainern aus dem Amateurbereich, die Lust haben mit mir persönlich über den Amateurfußball, ihre Philosophie und das Trainerdasein zu plaudern. Wenn ihr jemanden kennt, der jemanden kennt – ihr kennt das Spiel. Gesucht werden Amateurtrainer von der 5. Liga abwärts bis zur tiefsten Kreisklasse, und zwar in jedem Bundesland.

Ich plane eine kleine Deutschland-Tour durch jede Region und würde mich freuen, wenn ihr mir mit Tipps unter die Arme greifen könntet. Wenn ihr euch selbst angesprochen fühlt oder jemanden habt, der ideal dafür sein könnte, dann meldet euch einfach bei mir unter jhs@mein-leben-im-trainingsanzug.de. Ich freue mich auf viele Kontaktaufnahmen.

Kreativ werden, wenn der Winter naht

Jedes Jahr zur selben Zeit, sinkt die Trainingsmotivation eines Amateurfußballers. Das ist ungefähr genauso vorhersehbar wie die Photosynthese bei Laubblättern. Dafür können die meisten Spieler also gar nichts, weil es zu ihrer Amateurkicker-DNA gehört. Es wird kälter und dunkler. Das Training findet ohne Tageslicht statt. Regen wird häufiger. Da überlegt sich der gemeine Amateurfußballer dreimal, ob er nach der Arbeit den Hintern noch mal hochbekommt und zum Sportplatz fährt.

Um dieser aufkommenden Tristesse entegegenzuwirken, ist der Trainer gefragt. Es gilt, die Trainingsmotivation hochzuhalten und mit Abwechslungen im Trainingsalltag für Spannung zu sorgen. Das erzeuge ich am einfachsten durch Konkurrenzkampf. Doch dieser ist besonders ab der Bezirksliga abwärts nicht immer zu gewährleisten. Deswegen können verschiedene Übungen den Spaßfaktor hochhalten. Ja, Ernsthaftigkeit ist wichtig und führt auch zum Erfolg. Spaß darf dabei, besonders unter erschwerten Bedingungen nicht zu kurz kommen.

Alternative Spaßwettkampf statt Passübung

Hier eignen sich besonders unterschiedliche Wettkampfformen. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, wenn sich erwachsene Männer in Wettkämpfen gegenüberstehen. Sie entfachen einen teils unbekannten Ehrgeiz. Wer kreativ ist, sorgt für Spaß. Nicht immer muss es also die 36. Passübung oder die 29. Umschaltspielform sein. Macht etwas Neues! Dabei darf man keine Angst haben, mit einer Übung auch mal in die Tonne zu greifen. Der Ansatz zählt.

Ich habe zuletzt etwas ausprobiert, das ich zufällig beim FC Chelsea entdeckt habe. Zwei Gruppen stehen in einem Abstand von ca. 25 Meter zueinenander. In der Mitte ist eine Stange platziert. Auf ungefähr halber Strecke (kann variabel gehandhabt werden) steht jeweils ein Hütchen. Auf beiden Seiten warten je zwei Spieler auf ein Trainersignal. Ist dies erfolgt, wirft ein Spieler seinem Teamkollegen zweimal einen Ball zu, der ohne Bodenkontakt zurückgespielt werden soll. Gelingt das, dreht er sich um, läuft los, greift nach dem Hütchen und muss dieses über die Stange stülpen.

Wer von den beiden gegenüber voneinander startenden Spielern zuerst sein Hütchen auf der Stange platziert, erhält einen Punkt. Wie lange der Wettkampf geht, könnt ihr im Vorfeld festlegen. Für die Übung benötigt ihr je nach Gruppengröße (vier in diesem Beispiel) lediglich zwei Stangen (ggf. zwei Füße), vier mittlere Kegel und im Optimalfall acht Markierungsscheiben für die Positionen. Probiert es aus! Das Video dazu gibt es auf meinem Instagram-Profil.

Umschaltspiel: Vom Eishockey lernen

Fünf Jahre habe ich das Hamburger Eishockey begleiten dürfen – vier davon als Reporter, eines als Pressesprecher der Hamburg Freezers. In dieser Zeit habe ich unzählige Trainings auf dem Eis mit meinem Trainerauge verfolgt und mir das ein oder andere von der schnellsten Mannschaftssportart der Welt abgeschaut. Heute zeige ich euch eine meiner Lieblingsübungen, die eben jenen eisigen Ursprung hat. Sie kombiniert die technisch-taktischen Komponenten des Umschaltspiels mit dem Training fußballspezifischer Ausdauer. Denn neben dem schnellen Spiel in die Tiefe verlangt die Übung auch mehrere hochintensive Läufe binnen kürzester Zeit.

Wir markieren ein Spielfeld zwischen Grund- und Mittellinie und Strafraumbreite. Zwei Mannschaften werden eingeteilt. Mindestens 14 Feldspieler sollten dabei zur Verfügung stehen, damit ausreichend Erholungspausen garantiert werden können. Der Trainer steht mittig an einer der Seitenlinien mit Bällen (weitere Bälle liegen in beiden Toren), zwei Spieler einer jeden Mannschaft positionieren sich jeweils neben ihrem Tor auf der entsprechenden Grundlinie. Die restlichen Spieler beider Teams verteilen sich entlang der Seitenlinie, sodass auf jeder Spielfeldseite nur Spieler eines Teams stehen (siehe Beitragsfoto). Spielt der Trainer einen Ball entlang der imaginären Mittellinie, versuchen die jeweils neben ihrem Tor postierten Spieler den Ball zu erlaufen und im Optimalfall sofort zu einem ihrer Außenspieler zu passen, um Überzahl zu schaffen. Achtung: Nur einfache Überzahl ist möglich (also 3 gegen 2, 4 gegen 3 oder 5 gegen 4)! Erfolgt ein Torabschluss oder ein Ballbesitzwechsel durch Zweikampf oder Fehlpass, schalten beide Teams sofort um. Die nun ballbesitzende Mannschaft versucht ebenfalls, durch einen Pass auf einen der Außenspieler Überzahl zu erzeugen und schnell zum Torabschluss zu kommen. Das wiederholt sich bis zu einem 5 gegen 5. Zwei neue Spieler pro Team postieren sich im Anschluss neben dem Tor usw.

Als Trainer achte ich hier besonders darauf, dass der Pass auf einen der Außenspieler möglichst tief erfolgt und dieser, wenn nötig, auch ins Spielfeld startet, bevor der Ball ihn erreicht. Maximale Geschwindigkeit in den Angriffen ist verlangt. Wird ein Pass nicht hinter die letzte Linie des Gegners gespielt, muss der erste Kontakt des Außenspielers aktiv sein, also entweder Richtung Grundlinie oder eine Kreuzbewegung in die Spielfeldmitte. Wichtig: Auch die Torhüter sollen das Spiel schnell machen und nach einer Parade oder einem Gegentor sofort umschalten und im Optimalfall per Abwurf oder Flugball einen Außenspieler anspielen. Zusatz: Ist die maximale Spieleranzahl erreicht, agieren die restlichen Außenspieler (sofern vorhanden) als Wandspieler, damit kein Ball verloren geht und das Tempo maximal hoch bleibt.

Eine Variante dieser Übung ist das Spiel im doppelten Strafraum. Anders als bei der ersten Form verteilen sich die Spieler der beiden Mannschaften im Wechsel an der Seitenlinie und die Übung startet als 1 gegen 1. Außerdem darf eine vielfache Überzahl geschaffen werden, sodass auch ein Spiel 4 gegen 1 möglich ist. 4 gegen 4 ist bei der Variante im doppelten Strafraum das Maximum. Diese Variante ist weniger intensiv, erhöht aber die Anzahl der Torabschlüsse.

An dieser Stelle gehen ein paar Grüße an Benoit Laporte, Serge Aubin und Stéphane Richer, die mich in meiner Eishockey-Zeit sehr inspiriert und geprägt haben. Ich konnte mir nicht nur Übungen abschauen, sondern besonders in meinem Jahr nah an der Mannschaft und am Trainerteam auch viele Dinge im Bereich der Organisation, Analyse und Mannschaftsführung aufschnappen. Ich empfehle jedem, sich immer wieder mit Trainingsformen anderer Sportarten zu beschäftigen und über den Tellerrand zu schauen.