Jeden Spieler besser machen

Wie sich Fußballcoach Nate Weiss vom US-college in den trainerstab des 1. fc NÜrnbergs arbeitete

Nate Weiss ist ein gefragter Mann. Der US-Amerikaner arbeitet im Trainerstab des Profiklubs 1. FC Nürnberg und ist dort für das Individualtraining verantwortlich. Seit nun mehr drei Wochen versorgt er seine Spieler mit Übungen für das Training in der Isolation und teilt einige davon auch bei Instagram. Techniktraining im Wohnzimmer. Individuelles Coaching in der Corona-Krise.

Übungen für Laminat und Garten

Ein paar Markierungsscheiben oder ein anderes Hindernis, einen Ball und ein paar Schuhe – mehr braucht es nicht für die Übungen, die Coach Nate seine Spieler und die wachsende Instagram-Community durchführen lässt. Es geht alles ganz schnell. Innenseite, Außenrist, Sohle, Zwischenschritt, linker Fuß, rechter Fuß und das immer und immer wieder. „Wichtig ist, dass die Spieler selbst in einen Fluss kommen und die Übungen kreativ interpretieren“, erklärt der Coach den Ansatz seiner Ideen. Den Profis vom 1. FC Nürnberg gibt das die Möglichkeit, auch daheim ihre Technik zu verbessern und die Corona-Pause sinnvoll zu nutzen. Regelmäßig stellt Nate Videos mit Übungen in die eigens dafür vorgesehene WhatsApp-Gruppe mit den Spielern.

Abläufe bis zur Perfektion

Im Spielerkreis und im Trainerstab des FCN genießt Nate Weiss aber nicht nur wegen seiner Kreativität in Krisenzeiten ein hohes Ansehen. Der Trainer mit großem Faible fürs individuelle Coaching ist auch im regulären Trainingsalltag des Zweitligisten wichtiger Bestandteil des Staffs. Er feilt an den Stärken und arbeitet an den Schwächen eines jeden Profis des Clubs. In Extraschichten trainiert er mit Spielern einzelner Positionsgruppen oder mit Rekonvaleszenten, die für ihr Comeback arbeiten. „Ich verfolge die Philosophie, die Performance einer Mannschaft dadurch zu steigern, dass jeder einzelne Spieler besser wird“, erklärt Nate. Das Ziel: Technische Abläufe soweit perfektionieren, dass sie zu jeder Zeit im Spiel unabhängig von Zeit- oder Gegnerdruck abgerufen werden können.

Vom Basketball inspiriert, in Europa verfeinert

Schon immer wollte Nate Trainer werden. Als ihm sein Studium in den USA nicht mehr zusagte, packte er seine Sachen und zog nach Europa. Hier spielte und trainierte er in Spanien, Irland, Israel, Serbien, Lettland, Schweden und Deutschland. Bei jedem Klub, bei dem er einen Vertrag als Spieler unterzeichnete, arbeitete er auch als Trainer im Nachwuchsbereich. Seine technischen Fähigkeiten verdankt er seinem Talent und seiner Jugend in Miami, wo er Tag ein Tag aus mit lateinamerikanischen Freunden kickte. Die Idee für das individuelle Training nahm er aus den USA mit. „Ich habe an der Uni das Training des Basketballteams beobachtet. Ein Basketballer übt einen Schuss von derselben Position immer und immer wieder, bis er von 100 Würfen 90 trifft. Das hat mich inspiriert“, erzählt Nate.

Diese Inspiration begleitete den heute 32-Jährigen auf seiner fußballerischen Reise durch Europa. „Ich wollte den Fußball kennenlernen, ihn studieren. Nirgendwo geht das besser als in Europa.“ An keinem Ort hielt es ihn lange. Die Neugier nach Neuem war zu groß, die Wissbegierigkeit zog ihn von Land zu Land. In Schweden schaute er sich ebenso viel ab wie in Serbien. „Dort war die Toilette des Vereins ein Loch in der Erde, aber im Nachwuchsbereich wurde trotzdem perfekt ausgebildet“, erinnert sich der Trainer. Technik und Ballarbeit standen im Fokus. Komponenten, die das heutige Training von Nate auszeichnen.

Eine Technik, verschiedene Abläufe

Beispiel Stürmertraining: Besprochen wird unter anderem der Treffpunkt des Balls mit dem Fuß. Der Spieler schließt aus naher und ferner Distanz auf ein Mini-Tor im unteren rechten Eck eines Großfeldtores stehend ab. Es kommen Drehungen hinzu. Dann mit einem Gegenspieler und schließlich mit Körperkontakt. Der Coach verändert die Gegebenheiten, die Technik muss dieselbe bleiben. „Ich gebe die Technik vor, der Spieler interpretiert den Ablauf“, erklärt Nate.

Zu Tränen gerührt

Sein Ansatz des Individualtrainings hat ihn von Spanien über Lettland bis in den Trainerstab des 1. FC Nürnbergs geführt. Deutsch spricht Nate fließend, auch Spanisch und Portugiesisch. Er ist nicht nur Trainer, sondern auch Vertrauensperson. „Ich tue alles dafür, die Spieler besser zu machen.“ Respekt zollen ihm die Spieler gerade deshalb. Die Individualität des Trainings lässt besondere Bindungen entstehen. Wie besonders zeigt ein Beispiel aus der letzten Saison. Der damalige Nürnberger Matheus Pereira trifft zum zwischenzeitlichen 1:0 gegen den FC Bayern München, aus einer Bewegung heraus, die er mit Nate Weiss zuvor hunderte Male geübt hatte. „Ich hatte tatsächlich Tränen in den Augen“, gibt Nate heute zu.

Es sind Momente, die ihn motivieren, ihn noch härter arbeiten lassen. Wenn er seine Motivation aktuell nicht auf dem Platz entfalten kann, bringt er sie halt in die Wohnzimmer seiner Spieler und in die vier Wände zahlreicher isolierter Kicker, die trotz Corona nicht aufhören wollen, sich zu verbessern. Der nächste Video-Upload läuft bereits.

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