13 Monate Fußball mit Corona – wie ein Tiefschlag meine Motivation zurückbrachte

Corona Fussball Training

Ein Jahr und einen Monat lang hat uns die Pandemie schon im Griff. Bis auf wenige Monate Ausnahme im vergangenen Sommer ist auch der Fußball lahmgelegt. Eine klare Perspektive gibt es weiterhin nicht. Nur die Hoffnung, dass ja irgendwann alles vorbei sein müsse, schlummert noch irgendwo im Hinterkopf. Der Lehrlauf hat Folgen. Die Verbindung zum Sport, zum Spiel bröckelt.

Zuletzt haben zwei Spieler in meiner Mannschaft zum Saisonende aufgehört. Wann auch immer das genau sein soll oder vielleicht auch schon war. Mich hat das persönlich getroffen. Beide Spieler sind Mitte/Ende 20, voll im Saft, zählten zum Stammpersonal. Der Abstand zum Fußball hat den Kopf ins Grübeln gebracht und Raum gegeben, über eigene Prioritäten nachzudenken. Wer kann es ihnen verübeln? Noch nie war es emotional so leicht, mit dem Fußballspielen aufzuhören wie jetzt.

Ich mache mir Vorwürfe. Ich habe die Mannschaft in der Zeit, in der gar nichts stattfinden konnte, alleine gelassen. Der Grund ist einfach: Ich habe mich selbst gefragt, ob ich mich als Spieler an einem Dienstagabend im Winter vor den Laptop setzen und Pamela-Reif-Workouts machen möchte oder mich zu einer Laufchallenge in die Dunkelheit zwinge. Nein, war die Antwort. Ähnliches war auch aus Gesprächen mit Spielern herauszuhören. Was im ersten Moment vielleicht die richtige Lösung zu sein schien, hat die Entfremdung vom Fußball, auch vom Team unterm Strich sicherlich etwas verstärkt.

Warum ich zu dieser Annahme komme? Seitdem wir in Hamburg wieder unter der Woche unter Flutlicht reguläres Einzeltraining (2 Spieler + 1 Trainer) machen können, entsteht eine tolle Sogwirkung. Herrschte am Anfang bei vielen Spielern noch Skepsis (nur wer möchte, trainiert auch), will jetzt fast jeder regelmäßig wieder auf dem Platz stehen, sich bewegen, zumindest mal 1-2 Teamkameraden sehen, unter der Woche mal rauskommen und mal etwas Anderes machen. Die Distanz zum Fußball war also anfänglich spürbar. Auch in Gesprächen wird klar, dass viele die terminliche Freiheit ganz gut fanden und finden. Doch umso näher jeder von ihnen dem Ball, den Jungs, der Routine kommt, desto stärker wird auch das Verlangen danach. Deshalb denke ich, dass auch regelmäßige Zoom-Workouts anfänglich vielleicht Überwindung gekostet hätten, aber dann doch ein stückweit mannschaftliches Zusammensein hätten bedeuten können.

Klar ist aber auch: Auf dem Platz zu stehen und den Ball aufs Tor zu schießen, ist etwas komplett Anderes, als auf dem Wohnzimmerboden Squat Jumps zu machen. Deshalb auch folgende Erkenntnis: Um den Amateursport mit viel Schwung wieder anrollen zu lassen, wenn das Infektionsgeschehen es zulässt, muss die minimalste Form des Fußballtrainings weiterhin möglich sein. Draußen zu sein bedeutet geringes Risiko. In 3-4 kleinen Zweiergruppen auf einem ganzen Platz zu trainieren, bedeutet geringes Risiko. Die Kabinen bleiben ja zu, die Gruppen während des Trainings getrennt. Natürlich ist es ein Luxus, wenn man dieses Angebot mit 3-4 Trainern machen kann, aber selbst wenn nicht so viel Personal zur Verfügung steht: Jedes Einzeltraining sorgt für Ausgleich, für Abwechslung, für Herumalbern und Sprücheklopfen mit ein paar der Jungs. Vor allem aber wirkt es der fehlenden Motivation, der wachsenden Distanz zum Fußball entgegen.

Dass das Aufhören zwei meiner Spieler und der Start in einen regulären Einzeltrainingsbetrieb quasi zeitgleich kam, hat in mir eine Motivationsexplosion ausgelöst. Ich stehe wieder dreimal die Woche auf dem Platz. Anfänglich habe ich Couch und Netflix auch etwas vermisst. Jetzt freue ich mich bei Wind und Wetter auf den Platz, plane die neue Saison (wann auch immer diese starten wird), schaue mir Probespieler im Einzeltraining an.

Einzeltraining macht richtig Laune. Und vor allem macht es Sinn. Ich habe letztens mit einem Trainerkollegen gesprochen, der in meinem Verein die U17-Regionalliga trainiert. „Individuell haben sich die Spieler richtig gut weiterentwickelt durch das Einzeltraining“, hat er gesagt. Auch bei meinen Herren sehe ich beim Erstkontakt, beim Passspiel, beim Abschluss Fortschritte. Es lohnt sich also und wird sich vor allem dann auszahlen, wenn alle wieder gemeinsam auf den Platz können. Trotzdem bieten viele Herrenteams kein Einzeltraining an. Die Quittung könnten weitere Kündigungen sein. Ich tue jetzt alles, damit das in meiner Mannschaft nicht weiter passiert.

Ist das alles, lieber Amateurfußball?

Fußball Einzeltraining mit Trainer Jan-Hendrik Schmidt
Alternativen für das Fußballtraining finden, statt nur die Rückkehr zum Spielbetrieb zu diskutieren

Wir schreiben den zwölften Monat Pandemie in Deutschland. Dem Amateur- und Jugendfußball fällt aber immer noch nichts Besseres ein, als darüber zu diskutieren, wann man denn wieder Spiele absolvieren und mit der Mannschaft trainieren könnte. Und das tut der Fußball eigentlich schon seit einem Jahr. Aber wie ich schon mal erwähnte, muss es nach all der Zeit auch eine Alternative zum Fußball geben, den wir kennen und vermissen. Es muss darum gehen, überhaupt eine Art realistisches, fußballspezifisches Angebot zu schaffen – und das wäre mit Einzeltraining möglich!

Jetzt könnte man sich stundenlang darüber echauffieren, dass die Politik den Fußball und auch den Amateurmannschaftsport stiefmütterlich behandelt. In vermutlich jedem Öffnungsplan käme der Sport eher im letzten Zyklus. Abgesehen davon, dass das aus gesellschaftlicher, aber auch aufgrund von Mitgliederschwund wirtschaftlicher Sicht ein großer Fehler ist, verschafft sich der Fußball- bzw. Vereinssport aber auch weiterhin kaum Gehör.

Weniger Pöbelei, mehr Konzepte

Wenn Verbandsfunktionäre in der Öffentlichkeit ihre Stimme erheben, dann geht es eigentlich ausschließlich um den Wettkampf und die Vorbereitung darauf, also das Mannschaftstraining. Es geht aber zu keiner Zeit darum, alternative Konzepte zu erarbeiten und mit diesen bei der Politik vorstellig zu werden. Viele Fußballer wollen es zwar nicht hinnehmen, dass nicht gespielt und normal trainiert werden darf, bepöbeln in Sozialen Medien regelmäßig Virologen und Politiker, aber zeigen auch überhaupt kein Interesse daran, Mittelwege und neue Ideen fernab von Spielbetrieb und Mannschaftstraining zu finden.

Was ich damit sagen will: Wie sollen Verbände als Interessensvertreter für Alternativen einstehen, wenn spürbar das einzige Interesse vieler am Spielbetrieb teilnehmenden Personen ausschließlich der Spielbetrieb selbst ist? Ein Teufelskreis.

Verordnungs-Irsinn für Einzeltraining

Dabei könnte es eigentlich ganz einfach sein. Flutlicht an, Einzeltraining los. Ach nein, das geht ja nicht. Denn: Wenn Einzeltraining, das eigentlich laut Verordnung erlaubt ist, organisiert stattfindet, was es nämlich zur besseren Planbarkeit auch müsste, dann ist es wieder verboten. Verstanden? Ich darf also mit einem Spieler privat auf den Platz. Wenn ich aber mit einem Spieler privat auf den Platz gehe und das ganze vereinsintern abgesprochen wurde, damit nicht zeitgleich zu viele Personen dort sind, ist es verboten. Jetzt verstanden?

Menschen brauchen Sport, deshalb muss ein Angebot her

Kommen wir zum springenden Punkt. Wir müssen Sport anbieten. Für Kinder, für Jugendliche, für Erwachsene. Dafür müssen Konzepte her. Daran werden sich natürlich, wie sonst überall auch, nicht alle halten, aber die allermeisten. Und die es nicht tun, dürfen nicht mehr. Ganz einfach.

Wie kann so etwas aussehen? Vereine erarbeiten ein Konzept, das eine Aufteilung des Fußballplatzes beinhaltet. Zeitgleich dürfen nur bis zu zwölf Personen auf dem Platz sein und immer nur in Zweiergruppen (Trainer + Spieler) miteinander trainieren. Keine Kabinen, keine Ansammlungen. Nach einer Stunde kommt ein weiterer Spieler. Ein Team mit vielen Trainern darf maximal drei Trainer und drei Spieler gleichzeitig am Platz haben, damit auf dem Weg zum Training, in den Pausen und auf dem Weg nach Hause nicht zu viele Teammitglieder miteinander interagieren könnten.

Einmal Fußball pro Woche pro Spieler ist besser als nichts

Ja, in der Organisation und Durchführung muss immer wieder ermahnt und auch verwarnt werden. Kommunikation und vereinsinterner Zusammenhalt müssen gelebt werden. Und ja, in einer Trainingszeit schaffe ich bei 45 Minuten Training pro Spieler so maximal sechs Spieler. Das sind je nach Anzahl an Einheiten pro Woche aber immerhin 12-18. Nutze ich als Verein auch das Wochenende effektiv, ist fast jeder Spieler pro Woche einmal dran – und das bei Großfeldmannschaften. Bei den Junioren, also denen, die es dringend brauchen, sind die Kinder aufgrund der Kadergröße sogar häufiger dran. Macht also einmal Sport pro Woche. Das ist mehr als nichts und allein deshalb schon ein Gewinn.

Die eigene Erfahrung zeigt: Jeder Spieler, der endlich wieder einen Ball am Fuß hatte, ihn passen und aufs leere Tor schießen konnte, will es ein paar Tage später direkt wieder tun. Ganz davon abgesehen reichen schon 45 Minuten pro Spieler aus, gezielt mit ihm an technischen und koordinativen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Bevor wir also alle zu müde für Fußball werden, ist das ein schöner Weg in eine Co-Existenz mit einer Krise, die es weiterhin mit allen Mitteln zu bekämpfen gilt.

Die schleichende Gefahr

Warum die Politik Konzepte für den Vereinssport entwickeln sollte

Das war es wohl mit der Saison 2020/21. In Hamburg hat der Verband angekündigt, dass die aktuell unterbrochene Spielzeit spätestens am 27./28. Februar fortgesetzt werden müsste, um sie zu Ende zu spielen. Man muss kein Epidemiologe sein, um einschätzen zu können, dass dieser Termin nicht einzuhalten ist. Vermutlich ist sogar vor April/Mai nicht mit Inzidenzwerten weit unter 50 zu rechnen. Ergo: Die Mannschaftssportler gucken noch viele Wochen aus dem Fenster. Und das ist nicht gut.

Ich persönlich halte es für fahrlässig, dass die Politik keine Konzepte für den Vereinssport erarbeitet. Seit mehr als zehn Monaten gibt es diese Situation und die einzigen beiden Optionen sind „findet statt“ oder „findet nicht statt“. Natürlich sind Bereiche wie Schule deutlich wichtiger, wenngleich hier nach ähnlichem Muster verfahren wird und immer noch keine Konzepte vorliegen oder umgesetzt werden. Doch auch Vereinssport ist relevant.

Einzeltraining anbieten lassen, statt Fußball einfach zu streichen

Es droht die Gefahr einer schleichenden Fußball- bzw. Sport-Müdigkeit. Die beobachte ich bereits im eigenen Umfeld. Um Punkte zu spielen, ist verdammt weit weg. Sowohl beim Blick zurück, als auch beim Blick nach vorn. Ok, das ist so. Dass Spiele nicht stattfinden können, ist außer Frage völlig richtig. Und klar ist auch, dass Mannschaftstraining nicht möglich ist. Verständlich und sinnvoll. Wir Mannschaftssportler müssen uns aber davon verabschieden, uns nur am Spielbetrieb und am Mannschaftstraining zu orientieren. Besonders auch im Nachwuchsbereich. In Zeiten, in denen die Norm nicht mehr der Standard sein kann, muss ich nach Alternativen suchen, nicht nur ja oder nein als Optionen anbieten. Lösungen finden, statt Probleme einfach hinzunehmen. Es gibt auch etwas zwischen „findet statt“ und „findet nicht statt“.

Dieses Dazwischen ist das Einzeltraining. Wenn wir noch weitere Monate nicht wieder „normal“ trainieren dürfen, sollte in Erwägung gezogen werden, die Plätze für strukturiertes Einzeltraining wieder zu öffnen. Ein Trainer und ein Spieler. Mehr nicht. Die Plätze können dafür geviertelt oder gesechstelt werden, um die Gesamtpersonenanzahl nicht zu groß werden zu lassen. Natürlich dauert es, bis jeder Spieler einer Mannschaft mal den Ball berühren durfte, aber alles ist besser als nichts. Für ein bis zwei Monate kann man vielleicht den Stecker ziehen und alles ausfallen lassen, aber eben nicht länger.

Vereine haben gezeigt, dass sie besondere Konzepte erstellen können

Kinder könnten die Playstation irgendwann vorziehen, Erwachsene die viele Zeit mit ihrem Partner. Vereine sehen sich noch stärkerem Mitgliederschwund ausgesetzt. Dazu kommt die körperliche Entwicklung Heranwachsender, die durch die Dauer-Pause beeinträchtigt wird. Ich wäre dafür, mutigere Wege zu gehen, ohne dabei verantwortungslos zu sein. Die Vereine haben bereits gezeigt, dass sie in einer besonderen Situation besondere Konzepte erstellen und umsetzen können. Für Einzeltraining brauche ich keine Kabinen oder Ähnliches. Ich brauche einfach nur ein bis zwei Bälle, ein paar Hütchen und einen Fußballplatz unter meinen Stollen. Der Abstand zwischen Trainer und Spieler ist garantiert. Zur Not trägt der Coach eine Maske. Wäre es nicht einen Versuch wert?

Die eigenen Erfahrungen zeigen, dass das Einzeltraining in dieser Situation eine echte Alternative ist. Ich habe das Glück, auf dem Platz mit einzelnen Spielern trainieren zu können. Es macht Spaß. Es fördert die Entwicklung. Es ist vielschichtig – von Technik über Koordination bis Ausdauer. Trainer können mit dem Spieler gezielt an Schwächen arbeiten und an Stärken feilen.

Laufschuhe an und den Amateurfußball-Geist am Leben halten

Bis es flächendeckend dazu kommt, möchte ich jeden Fußballer dazu animieren, etwas für sich und seinen Körper zu tun. Egal, wie frustrierend die aktuelle Situation ist und wie wenig Perspektive einem geboten wird: Der Weg in die Trägheit ist genau der falsche. Ja, es ist grau draußen und nass und kalt. Doch zieht die Laufschuhe an, dreht eine Runde am Wochenende. Vielleicht streut ihr ein paar Intervalle ein. Setzt euch Ziele wie durchschnittliche Pace pro Kilometer. Verabredet euch mit einem Kumpel zum gemeinsamen Laufen. Sprecht über Meisterschaften, Abstiegskampf und das Bier nach einem dreckigen Sieg. Damit lasst ihr den Geist des Mannschaftssports leben, auch wenn ihr ihn derzeit nicht ausüben könnt.

2020 – Der Trainer-Jahresrückblick: Teil 3

In den ersten beiden Teilen des Trainer-Jahresrückblicks haben viele tolle Kollegen ihre Eindrücke und Erfahrunges eines komplexen Jahres 2020 geteilt. Jetzt blicke ich zum Abschluss ebenfalls zurück auf ein Jahr, das so anders war als seine Vorgänger. Hier kommt Teil 3.

2020 war ein Jahr, das mich häufig nachdenklich gemacht hat und es auch an diesem letzten Tag immer noch tut. Es war ein Jahr, in dem ich eine innerliche Zerrissenheit gespürt habe, die ich so noch nie empfunden hatte. Es war der Spagat zwischen egoistischen Bestrebungen und solidarischen Verpflichtungen. Zwei Kräfte die gegensätzlich wirken, die es mich auch verstehen haben lassen, warum sich einige Menschen stets nur in eine dieser beiden Richtungen ziehen lassen. Dabei ging es in diesem Jahr umso mehr um ein Gleichgewicht. Und das eben vor allem auch im Amateurfußball.

Mehr Verständis füreinander aufbringen

Natürlich darf jeder Trainer, jeder Spieler und jeder Zuschauer seinen individuellen Emotionen Ausdruck verleihen. Jeder durfte sich über die lange Spielpause im Sommer ärgern, die Einschränkungen im Training, ungleiche Hygienekonzepte, das Testspiel-Chaos und über Kommunikationsprobleme des Verbandes.

Doch auf der anderen Seite durfte auch jeder Solidarität einfordern, seine Ängste äußern, die Gesundheit in den Vordergrund stellen und lieber Verständnis zeigen als Ärgernis zum Ausdruck zu bringen. Uns gelingt in der Gesellschaft leider nur zu selten, ein Gleichgewicht zu schaffen, sowohl in einem selbst, als auch als Gesamtheit.

Für viele gibt es nur schwarz oder weiß und wer auf der anderen Seite steht, wird nur zu gerne diffamiert. Dialoge und Zuhören finden nur selten statt. Auch der Amateurfußball hat sich in vielen Phasen dieses Jahres von dieser hässlichen Fratze gezeigt. Bei Facebook und Co. wurde der Ton im Laufe des Jahres immer rauer, immer beleidigender. Andere Ansichten, Bedürfnisse und Sorgen wurden über den Haufen gepöbelt.

Nicht alle waren bereit, sich anzupassen

Und da ist sie eben wieder, diese innerliche Zerrissenheit. Natürlich hätte ich mir als leidenschaftlicher Fußballtrainer gewünscht, dass wir auch in diesem Jahr mehr Fußball hätten erleben können. Sicherlich wäre im Sommer schon früh mehr möglich gewesen und vermutlich hätte man gerade auch im Juniorenbereich andere Lösungen für die zweite Zwangspause hätte treffen können.

Doch zu häufig war auch zu beobachten, dass bei weitem nicht alle in der Lage waren, sich in der kurzen Spielphase an die Regeln zu halten. Handschlag hier, Spielerkreis da, Kabinennutzung ohne Maske dort. Es wurde 11 gegen 11 im Training gespielt, als andere sich noch an die Regel mit zehn Spielern gehalten haben. Nur zu verständlich also, dass auch der Fußball früh wieder pausieren musste.

Dieser Sport ist schließlich auch nur ein kleiner Teil des gesellschaftlichen Lebens. Und es ist in Zeiten, in denen das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommt und viele Menschen wirtschaftliche Herausforderungen meistern müssen, vermeintlich ein leichtes, diese Einschränkungen in Kauf zu nehmen, damit es andere einfacher haben und wir als Gesellschaft schnellstmöglich bessere Zeiten erleben können. Ich würde mir fürs neue Jahr wünschen, dass wir mehr Verständnis füreinander haben, dass wir der Wissenschaft vertrauen, dass uns unser Gegenüber nicht gleichgültig ist.

Learnings aus 2020: Einzeltraining fördern und das Mannschaftsgefühl am Leben halten

Doch dieses Jahr hatte auch viel Gutes. Von so vielen Trainern zu hören, wie kreativ sie in den vergangenen Monaten geworden sind, wie viel Freude das bereitet hat, das tat einfach mal gut. Ich persönlich habe für mich das Einzeltraining entdeckt. Sich ganz individuell mit nur einem oder zwei Spielern zu beschäftigen, finde ich sehr reizvoll. Das ist auch etwas, das ich intensiver im neuen Jahr verfolgen und in den Trainingsalltag einbauen möchte.

Ich muss aber auch gestehen, dass ich kaum Energie und Motivation verspürt habe, meine eigene Mannschaft in den Zwangspausen an die Hand zu nehmen und mit Zoom-Meetings und Lauf-Challenges zu beschäftigen. Jetzt zum Ende des Jahres ist mir aber bewusst geworden, dass etwas fehlt. Es ist die Interaktion als Mannschaft. Ich hatte immer den Eindruck, die Spieler lieber in Ruhe zu lassen, als ihnen etwas aufzudrängen. Für die Zeit im Januar und Februar habe ich jetzt aber Ansätze gefunden, um diese fehlende Interaktion innerhalb der Mannschaft wieder etwas anzuheizen.

Der Verband hat aus seinen Fehlern gelernt

Und zum Abschluss möchte ich auch noch einmal ein großes Lob aussprechen. Ich habe in diesem Jahr nicht mit Kritik gegeizt, wenn es um den Hamburger Fußball-Verband ging. Zu den jeweiligen Zeitpunkten war diese meiner Meinung nach auch angebracht. Die gegründete Initiative im Hamburger Amateurfußball zeigt, dass es vielen anderen auch so ging. Doch auch der HFV hat in diesem Jahr, wenn auch nicht offensiv so zugegeben, aus seinen Fehlern gelernt und den Dialog mit den Vereinen verbessert. Dass aktuell kaum laute Kritik zu hören ist, ist ein Indiz für eine transparentere Kommunikation. Chapeau, HFV!

Persönlich wehgetan hat, dass ich mein Buchprojekt nach drei Stationen in Ratzeburg, Berlin und Sulingen erst einmal wieder auf Eis legen musste. Aber die Tour durch Deutschland wird weitergehen. Da bin ich ganz sicher!

So, und das war es nun mit 2020. Ich freue mich aufs neue Jahr, auf hoffentlich viele Momente auf dem Sportplatz, auf Jubel, aufs Bierchen in der Kabine und vor allem freue ich mich auf mein Team. Wir haben viel vor, am Ball und auch mal wieder am Glas. Es wird Zeit, dass wir es wieder zeigen dürfen. Kommt alle gut rein!

2020 – Der Trainer-Jahresrückblick: Teil 2

Im ersten Teil des großen Trainer-Jahresrückblicks haben bereits einige Coaches ihre Erfahrungen eines schwierigen Jahres geteilt. Von den Junioren bis zu den Erwachsenen, von Frauen- und von Herrenteams, von der Regionalliga bis in die Kreisliga B. Hier kommt Teil 2.

Benjamin Eta, 40, Bremer SV, Bremen Liga

Am Anfang des Jahres habe ich mich dazu entschieden, nach acht Jahren beim TuS Schwachhausen, davon vier Jahre als Trainer, zum Bremer SV zu wechseln. Deswegen war es meine letzte Rückrunde für den Verein, bei dem ich in vielen Funktionen tätig war. Außerdem habe ich mich mit der Fußballschule We Love Soccer selbstständig gemacht.

Benjamin Eta (Foto: Dennis Green)

Wir waren mit Schwachhausen noch oben dabei, hatten nur drei Punkte Rückstand und das direkte Duell mit Tabellenführer FC Oberneuland. Da hatten wir uns schon noch ausgemalt den FC zu ärgern. Das wäre natürlich der perfekte Abschied gewesen. Dann kam mit Corona alles ein bisschen anders. Die Saison wurde abgebrochen, Oberneuland zum Meister gekürt. Wir hatten die beste Platzierung unserer Geschichte mit einem Abbruch erreicht. Das war irgendwie auch nicht so toll. Das war auch kein optimaler Abschied.

Ich hatte auf jeden Fall viel Zeit, mich auf die neue Saison beim Bremer SV vorzubereiten. Jetzt sind wir noch ungeschlagen, waren bis zum letzten Wochenende vor der Unterbrechung Tabellenführer und sind dann wegen eines Tores weniger auf Platz 2 gerutscht. Jetzt hoffen wir, dass es im neuen Jahr irgendwann weitergeht. Jedes Mal, wenn wir auf Kurs waren und unsere Ziele erreichen konnten, kam etwas dazwischen. Das ist mannschaftlich gesehen dann schon ein ziemliches Mist-Jahr gewesen. Für die Fußballschule lief es dafür ganz gut.

In der ersten Pause gab es für die Jungs von Schwachhausen freiwillige Laufpläne. Jetzt in der zweiten Pause, in der die Hoffnung, dass es bald weitergeht, schon noch groß ist, gibt es auch individuelle Laufpläne für die Jungs vom Bremer SV. Außerdem absolvieren wir mit jedem Spieler regelmäßige Einzeltrainings, da dies noch möglich ist. Am Wochenende arbeiten mein Co-Trainer und ich alle Spieler einmal ab. Wir versuchen, regelmäßigen Kontakt zu den Jungs zu halten. Es gibt Zoom-Workouts und viele Einzelgespräche. Damit wollen wir, so gut es geht, die Spannung hochhalten, um dann sofort wieder voll angreifen zu können.

Christian Kreuer, 45, Grün-Weiß Brauweiler U12, 1. Kreisklasse Mittelrhein 

Ich möchte die ganzen negativen Dinge, die jeder miterlebt hat, gar nicht so großartig beschreiben. Ich will vielmehr auf die positiven Dinge eingehen. In diesem Jahr haben wieder so viele Menschen an der Basis den Fußball gelebt und Dinge möglich gemacht. Da muss man auch einfach mal Danke sagen. Das Engagement ist mit nichts zu bezahlen und durch Gold aufzuwiegen. Der Amateurfußball ist nicht so tot, wie viele ihn manchmal machen.

Christian Kreuer (Foto: privat)

Ich habe für mich die Möglichkeit genutzt, ganz viele Bücher und Blogs zu lesen, Podcasts zu hören und andere Sichtweisen zu betrachten. Da hat die fußballfreie Zeit geholfen, viele Dinge reflektierter und gelassener zu betrachten. Ich habe dadurch vielmehr gemerkt, wie viel der Fußball mir bedeutet und wie sehr ich ohne diesen Sport leide. Auch deshalb habe ich für mich gesagt: Hey, lass‘ das Negative an der Seite und konzentriere dich aufs Positive.

Schön zu sehen, war, dass meine Jungs nach der ersten Pause trotz aller Einschränkungen mit so viel Motivation und Freude wieder auf den Platz gekommen sind. Ich hatte ein paar Befürchtungen, das ein oder andere Kind an die PlayStation zu verlieren, aber dem war nicht so.

Sportlich kann ich hinter das Jahr 2020 relativ schnell einen Haken machen. Das, was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir ab Februar nicht mehr umsetzen. Menschlich gesehen habe ich große Gewinne gemacht. Der Kontakt mit den Jungs war wirklich gut. Ich gehe hochmotiviert ins Jahr 2021, mit sehr viel Ideen fürs Training, mit viel Lust für den Fußball. Ich habe viel Saft in meinen Batterien. Da kann mich auch diese Pause nicht von abhalten.

Tim Tornow, 29, TuS Jöllenbeck II, Kreisliga B Staffel 2 Bielefeld

2020 war ein anstrengendes Jahr, wie für jeden. Wir hätten um den Aufstieg mitspielen und die vier Punkte Rückstand mit einigen direkten Duellen noch aufholen können. Insgesamt haben wir einen Schritt nach vorne gemacht, unsere Aufgaben etwas souveräner gelöst und waren in einem gewissen Flow. Den ersten Lockdown sind wir dann sehr engagiert angegangen mit Lauf-Wettbewerb und Co. Das ist dann etwas abgeflacht, als klar wurde, dass die Pause länger dauern würde und die Saison sogar wahrscheinlich abgebrochen wird. Da habe ich den Jungs dann auch gesagt, dass sie es ruhiger angehen lassen können. Die Pause sollten sie sich gönnen. Ich habe mir auch diese Pause gegönnt, um ein bisschen Abstand zu gewinnen. Das habe ich ganz bewusst gemacht. Es wurde immer stressiger, selbst in der Kreisliga B immer ergebnisorientierter. Deswegen war ich froh um die Pause.

Nach der Pause waren wir als Verein gut aufgestellt mit unserem Hygienekonzept. Das Angebot, mit zehn Spielern zu trainieren, habe ich aber nicht wahrgenommen. Da haben die Jungs einen Schlüssel bekommen und durften sich zu zehnt den Ball um die Ohren schießen. Da ging es in meinen Augen mehr darum, sich nach der Zeit mal wieder zu sehen. Richtiges Training habe ich aber nicht angeboten. Deswegen war ich froh, als der Rahmen irgendwann gesetzt wurde, wir die Vorbereitung geplant hatten. Gestört haben mich dann andere Vereine bei Testspielen, die es mit ihren Hygienekonzepten nicht ganz so eng gesehen haben, während wir da sehr penibel waren.

In der neuen Saison lief es entwicklungstechnisch weiter wie in der Vorsaison. Natürlich hatten wir die typischen Kreisliga-Probleme wie studienbedingte Abgänge, aber das gehört ja dazu. Im August habe ich die B-Lizenz angefangen, konnte aber bisher die Prüfung coronabedingt nicht machen. Aus dem Lehrgang habe ich persönlich viel mitgenommen. Ich habe bei mir selber gemerkt, dass ich meine Ideen besser kommunizieren konnte. Da waren viele fußballschlaue Leute, von denen ich etwas lernen konnte. Das hat mir viel gebracht und dann natürlich auch den Jungs.

Dann kam überraschend schnell die zweite Pause. Das war auch nicht gut für die Motivation, muss man ehrlich sagen. Jetzt hängen wir alle so etwas im luftleeren Raum. Ich glaube nämlich nicht, dass es vor Mitte Februar wieder mit Training losgeht. Bei einer Mindestvorbereitungszeit von vier Wochen werden wir also nicht vor Mitte März spielen. Das ist dann auch noch die Zeit, in der mein erstes Kind geboren wird. Der Fokus liegt da gerade auch etwas auf anderen Dingen. Ich vermisse aber die Jungs, die Trainingsvorbereitung und dienstags und donnerstags auf dem Platz zu stehen, zu improvisieren, wenn doch weniger Jungs da sind als eigentlich geplant. Trotzdem bin ich etwas übersättigt in Sachen Fußball, weil jeden Tag im Fernsehen Fußball läuft. Deswegen versuche ich, mich in den kommenden Tagen und Wochen wieder etwas anzunähern, vielleicht mehr Literatur zu lesen, Fußballmanager am Computer zu spielen. Als Schalke-Fan hat man es aber derzeit auch nicht wirklich leicht.

Torben Bohm, SV Rugenbergen U16, B-Bezirksliga Hamburg

Es war ein schwieriges Jahr. Als Trainer ist man es ja ein stückweit gewohnt, die Dinge planen zu können und Kontrolle zu haben, was die Termine angeht – Spielplan, Vorbereitung, Teamevents. Deswegen habe ich in einigen Phasen des Jahres schon eine gewisse Machtlosigkeit gespürt. Ein Grund dafür, dass die kurzen Phasen mit Trainings- und Spielbetrieb umso schöner waren.

Für mich als Jugendtrainer hat die langfristige Entwicklung der Spieler und der Mannschaft einen großen Stellenwert. Deswegen nehme ich als positiv zumindest mit, dass wir in der Phase, in der wir spielen konnten, auch wirklich gute Spiele gemacht haben und die Jungs dadurch auch die Bestätigung bekommen haben, dass es sich lohnt, immer weiter zu machen, gegen die stärksten Widerstände anzukämpfen und immer das Beste rauszuholen. Das haben wir auch in den Zwangspausen zum großen Motto gemacht. Es geht immer weiter, auch in so einer Zeit kannst du dich immer weiter verbessern. Auch deshalb ist der Teamzusammenhalt, der bei uns ohnehin schon überragend ist, auch noch mal gestärkt worden. In den Pausen ging es dadurch auch gar nicht vermehrt darum, dass die Jungs irgendwelche Trainingspläne einhalten sollten. Natürlich waren auch mal bestimmte Aufgaben für alle verpflichtend, aber grundsätzlich wollen wir die Eigenmotivation der Spieler wecken und wenn wir das schaffen, kommen die Spieler auch gut durch die Zeit.

Torben Bohm (Foto: Nicole Gemperlein)

Für mich persönlich war es wichtig, die Zeit trotzdem sinnvoll zu nutzen und mich trotzdem weiterzuentwickeln. Deswegen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie bestimmte Dinge rund um die Mannschaft optimiert werden können. Ich habe mich verstärkt den Spielprinzipien gewidmet und solche für die Mannschaft definiert. Die Jungs haben dadurch Muster im Kopf, ohne dass ihre Kreativität zu sehr eingeschränkt wird. Das hat den Jungs in den wenigen Spielen schon sehr geholfen.

Ich ziehe aus dem Jahr, dass es zwar nicht einfach war, aber wir trotzdem eine Entwicklung bei der Mannschaft erkannt haben und das ist für mich das wichtigste. Jeder muss weiter positiv bleiben und dann bin ich auch davon überzeugt, dass sich die Arbeit am Ende auch lohnen wird.

Phillip Volkmann, 28, Osnabrücker SC 2. Damen, Kreisliga Osnabrück-Land Nord

In der Zeit, in der wie spielen durften, haben wir unser Ziel Platz 1 vor Augen gehabt. Durch gutes Training und die richtige Einstellung haben wir die Spiele für uns entscheiden können. Natürlich gab es auch Spiele, in denen es schwierig war, aber mit Kampf und Leidenschaft haben wir bisher eine weiße Weste. Generell wollen wir den eingeschlagenen positiven Weg weitergehen.

Phillip Volkmann (Foto: privat)

Insgesamt hat mir die Corona-Pause einmal mehr gezeigt, wie wichtig mir der Fußball ist und sein wird. Ich vermisse es, auf dem Platz zu sein und die Gemeinschaft, die man beim Fußball erlebt. Gerade jetzt in der aktuellen Situation müssen wir mein persönliches Motto „Gemeinsam stark“ noch mehr leben und prägen. Ich freue mich schon sehr darauf, im nächsten Jahr wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.

Sebastian Stahl, 33, FSV Frankfurt U12

Wir haben in der Corona-Zeit, sowohl im ersten Lockdown mit der U13 als auch im zweiten Lockdown mit der U12, Challenges mit Profisportlern*innen gemacht. Da haben wir gemeinsam mit den Profis wie Fußballerin Julia Simic oder Ex-Schiedsrichter Urs Meier unterschiedliche Inhalte eingefordert. Die Jungs sollten die Challenges des jeweiligen Paten umsetzen und als Video einsenden. Da ging es um fußballerische Inhalte, aber auch athletische oder koordinative Aufgaben, also ein breites Spektrum.

Sebastian Stahl (Foto: privat)

Aus dem ersten Lockdown haben wir gelernt und die zweite Pause besser vorbereitet und geplant. Wir ziehen auch nur positive Dinge aus den Zwangspausen. Intelligente Menschen passen sich an. Wir hatten das Ziel, das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen. Der Leistungsfußball ist so schnell und auch so rücksichtlos geworden manchmal. So hatte man auch Zeit, die Kinder mal anders auszubilden. Die pädagogische Komponente hat hier eine entscheidende Rolle gespielt. Die Kinder mussten lernen, eigenverantwortlicher zu trainieren, sich besser zu strukturieren. Das ist doch das Beste, was uns Trainern passieren konnte.

Wir nehmen den Spielern heutzutage viel zu viel ab und verlangen dann, dass sie eigene Entscheidungen auf dem Platz treffen sollen. Das ist aber der völlig verkehrte Weg. Deshalb hat Corona für uns eigentlich nur positives mit sich gebracht. Ich persönlich konnte in dieser Zeit auch sehr viel lernen. Ich habe mich mit den Profis auf höchster Ebene austauschen und mich dadurch auch weiterentwickeln können. Wer sich weiterentwickeln wollte, hat sich auch weiterentwickelt. Das hat man auch bei den Jungs gesehen. Es war ein lehrreiches Jahr und allein schon deshalb ein voller Erfolg.

Philipp Willmann, 25, VfB Fichte Bielefeld, Westfalenliga Staffel 1

Es war ein aufregendes Jahr. In der Rückserie der vergangenen Saison war ich noch bei Arminia Bielefeld in der U17 als Co-Trainer tätig. Bei der Arminia hatten wir gute Bedingungen und konnten die erste Corona-Pause gut nutzen. Wir haben Online-Training angeboten, haben Pläne für die Spieler erstellt und Feedbackgespräche durchgeführt.

Philipp Willmann (Foto: Benjamin Hanke)

Dann habe ich mich entschieden, in den Herrenbereich zu gehen und beim VfB Lichte Bielefeld in der Westfalenliga ein sehr spannendes Projekt zu beginnen. Hier wollen wir dem Verein eine andere Richtung geben und setzen vor allem auf junge Spieler, die vielleicht auch noch einen Sprung nach oben machen wollen.

Der Start war nicht sehr einfach. Wir haben einige Spiele unglücklich verloren, was aber mit so einer jungen Truppe auch durchaus normal ist. Vor der erneuten Pause hatten wir zum Abschluss noch einmal einen hohen Sieg. Das tat gut. Der Zeitpunkt der Pause kam natürlich jetzt sehr unglücklich. Wir hätten gerne den Moment des Sieges mitgenommen. Trotzdem haben wir diese Zeit auch gut genutzt. Wir haben viele Challenges gemacht mit den Spielern, Online-Einheiten absolviert bei Zoom und Trainingspläne erstellt. Wir versuchen, so gut es geht, den Kontakt zu den Spielern zu pflegen, um auch einen Austausch unter den Spielern aufrechtzuerhalten. Dafür müssen die Jungs dann unter anderem auch Videos von ihren Challenges in die Gruppe bei WhatsApp stellen.

Positiv an diesem Jahr war, dass man gesehen hat, dass man auch online gut mit der Mannschaft in Kontakt bleiben kann. Was auch sehr deutlich geworden ist, wie wichtig Fans im Amateursport sind. Wir hatten eine Begrenzung von 350 Zuschauern pro Spiel und das war einfach bei jedem Heimspiel ein tolles Gefühl, diese Unterstützung im Rücken zu haben. Das ist sicherlich auch etwas, was man nach dieser Zeit noch mehr wertschätzen wird.

Marc Fischer, 32, Ratzeburger SV, Kreisliga Schleswig-Holstein Herzogtum Lauenburg

Wir hatten uns in der Winterpause einiges vorgenommen. Auch wenn wir ein paar Punkte Rückstand hatten, hatten wir uns noch etwas ausgerechnet und wollten eine Aufholjagd starten. Nach dem Auftaktsieg war es dann eine Woche später auch schon wieder vorbei. Wir haben uns dann mit Durchhalteparolen über Wasser gehalten, den Jungs immer wieder gesagt, dass sie sich fithalten sollen. Dafür gab es verschiedene Fitnesspläne für die Mannschaft. Die Jungs haben dann auch ganz gut mitgezogen. Als dann langsam klar wurde, dass die Pause länger dauern würde, habe ich dann mit den Spielern per Videokonferenz Feedback- und Einzelgespräche geführt.

Marc Fischer (Foto: Agentur 54°/Koenig)

Nach der Pause durften wir mit nur zehn Spielern gleichzeitig trainieren. Deshalb haben wir eine Art Schichttraining eingeführt. Das konnten wir als großes Trainerteam gut durchführen. Wichtig war zu Beginn, ganz langsam wieder anzufangen, weil die Pause schon sehr lang war und nicht alle Spieler auf demselben Level waren. Stück für Stück haben wir dann die Intensität gesteigert, um so auch Verletzungen vorzubeugen. Neben diesem athletischen Bereich wollten wir aber unbedingt auch das im Training machen, was die Jungs am meisten vermisst haben. Deswegen gab es viele Torschussübungen mit verschiedensten Abläufen und Spielformen in den kleinen Gruppen. Dass wir das vom Ablauf her so gut umsetzen konnten, lag vor allem an meinen Co-Trainern, bei denen ich mich gar nicht oft genug bedanken kann. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Das war schon sehr gut.

Als wir wieder in voller Mannschaftstärke trainieren durften, haben wir Spielern mit Trainingsrückstand angeboten, eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn im athletischen Bereich an den Defiziten zu arbeiten. Irgendwann war die Gruppe dann acht Spieler groß. Das war toll zu sehen. Für uns ist das jetzt auch fast eine Do-or-Die-Saison, in der wir unsere Ziele unbedingt erreichen wollen. Das hat auch jeder begriffen und sehr gut mitgezogen.

Es war dann auch relativ schnell klar, dass wir den Sommer durchtrainieren. Ich hatte mich da immer wieder bei anderen Teams umgehört, wie die es machen. Viele hatten noch einmal eine Sommerpause eingeschoben. Ich hatte aber unter anderem in einem Podcast mit Thomas Broich und Jerome Polenz, die beide in Australien gespielt haben, gehört, wie sehr ihnen eine lange, dreimonatige Vorbereitung gefallen hat, weil man so viel mehr Zeit für die einzelnen Schwerpunkte hat.

Wir haben uns dann auch für die zwölfwöchige Vorbereitung entschieden. Die Vorteile gegenüber den anderen Teams, nicht nur die konditionellen, hat man dann in den ersten Testspielen gesehen. Da haben wir nur gegen höherklassige Teams gespielt und alles gewonnen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich das jetzt jedes Jahr so handhaben mit einer langen Vorbereitung. Natürlich will man irgendwann auch wieder spielen. Weil in Schleswig-Holstein noch nicht wieder gespielt werden konnte, sind wir nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren und haben Spiele in Schwerin gemacht. Das hat sich alles ausgezahlt. Zum Saisonstart haben wir alle fünf Spiele gewonnen.

Für uns war die erneute Pause richtig schwierig, weil wir so gut drauf waren. Das Gute ist aber, dass wir die Mentalität aus dem ersten Lockdown und die Erfolgswelle mit dem Ziel vor Augen mitgenommen haben. Bis Mitte Dezember hat sich die Mannschaft mit einer Laufchallenge fitgehalten. Da haben sich die Jungs auch gegenseitig motiviert. Zum Abschluss des Jahres habe ich wieder viele Einzelgespräche geführt, in denen sich jeder Spieler persönliche Ziele gesetzt hat, die er in dieser erneuten Pause erreichen will.

Ich denke, dass man in der jetzigen Phase am einfachsten den Kopf freibekommen kann, wenn man Sport macht. Dafür stellen wir den Spielern das Rüstzeug zur Verfügung. Das ist etwas, was wir als Trainer aktuell leisten können. Auch der persönliche Kontakt spielt da eine wichtige Rolle. Auch wenn man sich gar nicht sieht, ist das zwischenmenschliche sehr wichtig. Jetzt hoffen wir, dass wir in 2021 diese für uns bisher so gute Saison zu Ende spielen können, wenn vielleicht auch nur mit halber Runde.

Ich hoffe einfach, dass die Pause nicht mehr zu lange dauert. Es fehlt schon sehr, unter der Woche abends auf dem Platz zu stehen. Das gibt einem Struktur und Halt. Auch uns Trainern.