2020 – Der Trainer-Jahresrückblick: Teil 2

Im ersten Teil des großen Trainer-Jahresrückblicks haben bereits einige Coaches ihre Erfahrungen eines schwierigen Jahres geteilt. Von den Junioren bis zu den Erwachsenen, von Frauen- und von Herrenteams, von der Regionalliga bis in die Kreisliga B. Hier kommt Teil 2.

Benjamin Eta, 40, Bremer SV, Bremen Liga

Am Anfang des Jahres habe ich mich dazu entschieden, nach acht Jahren beim TuS Schwachhausen, davon vier Jahre als Trainer, zum Bremer SV zu wechseln. Deswegen war es meine letzte Rückrunde für den Verein, bei dem ich in vielen Funktionen tätig war. Außerdem habe ich mich mit der Fußballschule We Love Soccer selbstständig gemacht.

Benjamin Eta (Foto: Dennis Green)

Wir waren mit Schwachhausen noch oben dabei, hatten nur drei Punkte Rückstand und das direkte Duell mit Tabellenführer FC Oberneuland. Da hatten wir uns schon noch ausgemalt den FC zu ärgern. Das wäre natürlich der perfekte Abschied gewesen. Dann kam mit Corona alles ein bisschen anders. Die Saison wurde abgebrochen, Oberneuland zum Meister gekürt. Wir hatten die beste Platzierung unserer Geschichte mit einem Abbruch erreicht. Das war irgendwie auch nicht so toll. Das war auch kein optimaler Abschied.

Ich hatte auf jeden Fall viel Zeit, mich auf die neue Saison beim Bremer SV vorzubereiten. Jetzt sind wir noch ungeschlagen, waren bis zum letzten Wochenende vor der Unterbrechung Tabellenführer und sind dann wegen eines Tores weniger auf Platz 2 gerutscht. Jetzt hoffen wir, dass es im neuen Jahr irgendwann weitergeht. Jedes Mal, wenn wir auf Kurs waren und unsere Ziele erreichen konnten, kam etwas dazwischen. Das ist mannschaftlich gesehen dann schon ein ziemliches Mist-Jahr gewesen. Für die Fußballschule lief es dafür ganz gut.

In der ersten Pause gab es für die Jungs von Schwachhausen freiwillige Laufpläne. Jetzt in der zweiten Pause, in der die Hoffnung, dass es bald weitergeht, schon noch groß ist, gibt es auch individuelle Laufpläne für die Jungs vom Bremer SV. Außerdem absolvieren wir mit jedem Spieler regelmäßige Einzeltrainings, da dies noch möglich ist. Am Wochenende arbeiten mein Co-Trainer und ich alle Spieler einmal ab. Wir versuchen, regelmäßigen Kontakt zu den Jungs zu halten. Es gibt Zoom-Workouts und viele Einzelgespräche. Damit wollen wir, so gut es geht, die Spannung hochhalten, um dann sofort wieder voll angreifen zu können.

Christian Kreuer, 45, Grün-Weiß Brauweiler U12, 1. Kreisklasse Mittelrhein 

Ich möchte die ganzen negativen Dinge, die jeder miterlebt hat, gar nicht so großartig beschreiben. Ich will vielmehr auf die positiven Dinge eingehen. In diesem Jahr haben wieder so viele Menschen an der Basis den Fußball gelebt und Dinge möglich gemacht. Da muss man auch einfach mal Danke sagen. Das Engagement ist mit nichts zu bezahlen und durch Gold aufzuwiegen. Der Amateurfußball ist nicht so tot, wie viele ihn manchmal machen.

Christian Kreuer (Foto: privat)

Ich habe für mich die Möglichkeit genutzt, ganz viele Bücher und Blogs zu lesen, Podcasts zu hören und andere Sichtweisen zu betrachten. Da hat die fußballfreie Zeit geholfen, viele Dinge reflektierter und gelassener zu betrachten. Ich habe dadurch vielmehr gemerkt, wie viel der Fußball mir bedeutet und wie sehr ich ohne diesen Sport leide. Auch deshalb habe ich für mich gesagt: Hey, lass‘ das Negative an der Seite und konzentriere dich aufs Positive.

Schön zu sehen, war, dass meine Jungs nach der ersten Pause trotz aller Einschränkungen mit so viel Motivation und Freude wieder auf den Platz gekommen sind. Ich hatte ein paar Befürchtungen, das ein oder andere Kind an die PlayStation zu verlieren, aber dem war nicht so.

Sportlich kann ich hinter das Jahr 2020 relativ schnell einen Haken machen. Das, was wir uns vorgenommen hatten, konnten wir ab Februar nicht mehr umsetzen. Menschlich gesehen habe ich große Gewinne gemacht. Der Kontakt mit den Jungs war wirklich gut. Ich gehe hochmotiviert ins Jahr 2021, mit sehr viel Ideen fürs Training, mit viel Lust für den Fußball. Ich habe viel Saft in meinen Batterien. Da kann mich auch diese Pause nicht von abhalten.

Tim Tornow, 29, TuS Jöllenbeck II, Kreisliga B Staffel 2 Bielefeld

2020 war ein anstrengendes Jahr, wie für jeden. Wir hätten um den Aufstieg mitspielen und die vier Punkte Rückstand mit einigen direkten Duellen noch aufholen können. Insgesamt haben wir einen Schritt nach vorne gemacht, unsere Aufgaben etwas souveräner gelöst und waren in einem gewissen Flow. Den ersten Lockdown sind wir dann sehr engagiert angegangen mit Lauf-Wettbewerb und Co. Das ist dann etwas abgeflacht, als klar wurde, dass die Pause länger dauern würde und die Saison sogar wahrscheinlich abgebrochen wird. Da habe ich den Jungs dann auch gesagt, dass sie es ruhiger angehen lassen können. Die Pause sollten sie sich gönnen. Ich habe mir auch diese Pause gegönnt, um ein bisschen Abstand zu gewinnen. Das habe ich ganz bewusst gemacht. Es wurde immer stressiger, selbst in der Kreisliga B immer ergebnisorientierter. Deswegen war ich froh um die Pause.

Nach der Pause waren wir als Verein gut aufgestellt mit unserem Hygienekonzept. Das Angebot, mit zehn Spielern zu trainieren, habe ich aber nicht wahrgenommen. Da haben die Jungs einen Schlüssel bekommen und durften sich zu zehnt den Ball um die Ohren schießen. Da ging es in meinen Augen mehr darum, sich nach der Zeit mal wieder zu sehen. Richtiges Training habe ich aber nicht angeboten. Deswegen war ich froh, als der Rahmen irgendwann gesetzt wurde, wir die Vorbereitung geplant hatten. Gestört haben mich dann andere Vereine bei Testspielen, die es mit ihren Hygienekonzepten nicht ganz so eng gesehen haben, während wir da sehr penibel waren.

In der neuen Saison lief es entwicklungstechnisch weiter wie in der Vorsaison. Natürlich hatten wir die typischen Kreisliga-Probleme wie studienbedingte Abgänge, aber das gehört ja dazu. Im August habe ich die B-Lizenz angefangen, konnte aber bisher die Prüfung coronabedingt nicht machen. Aus dem Lehrgang habe ich persönlich viel mitgenommen. Ich habe bei mir selber gemerkt, dass ich meine Ideen besser kommunizieren konnte. Da waren viele fußballschlaue Leute, von denen ich etwas lernen konnte. Das hat mir viel gebracht und dann natürlich auch den Jungs.

Dann kam überraschend schnell die zweite Pause. Das war auch nicht gut für die Motivation, muss man ehrlich sagen. Jetzt hängen wir alle so etwas im luftleeren Raum. Ich glaube nämlich nicht, dass es vor Mitte Februar wieder mit Training losgeht. Bei einer Mindestvorbereitungszeit von vier Wochen werden wir also nicht vor Mitte März spielen. Das ist dann auch noch die Zeit, in der mein erstes Kind geboren wird. Der Fokus liegt da gerade auch etwas auf anderen Dingen. Ich vermisse aber die Jungs, die Trainingsvorbereitung und dienstags und donnerstags auf dem Platz zu stehen, zu improvisieren, wenn doch weniger Jungs da sind als eigentlich geplant. Trotzdem bin ich etwas übersättigt in Sachen Fußball, weil jeden Tag im Fernsehen Fußball läuft. Deswegen versuche ich, mich in den kommenden Tagen und Wochen wieder etwas anzunähern, vielleicht mehr Literatur zu lesen, Fußballmanager am Computer zu spielen. Als Schalke-Fan hat man es aber derzeit auch nicht wirklich leicht.

Torben Bohm, SV Rugenbergen U16, B-Bezirksliga Hamburg

Es war ein schwieriges Jahr. Als Trainer ist man es ja ein stückweit gewohnt, die Dinge planen zu können und Kontrolle zu haben, was die Termine angeht – Spielplan, Vorbereitung, Teamevents. Deswegen habe ich in einigen Phasen des Jahres schon eine gewisse Machtlosigkeit gespürt. Ein Grund dafür, dass die kurzen Phasen mit Trainings- und Spielbetrieb umso schöner waren.

Für mich als Jugendtrainer hat die langfristige Entwicklung der Spieler und der Mannschaft einen großen Stellenwert. Deswegen nehme ich als positiv zumindest mit, dass wir in der Phase, in der wir spielen konnten, auch wirklich gute Spiele gemacht haben und die Jungs dadurch auch die Bestätigung bekommen haben, dass es sich lohnt, immer weiter zu machen, gegen die stärksten Widerstände anzukämpfen und immer das Beste rauszuholen. Das haben wir auch in den Zwangspausen zum großen Motto gemacht. Es geht immer weiter, auch in so einer Zeit kannst du dich immer weiter verbessern. Auch deshalb ist der Teamzusammenhalt, der bei uns ohnehin schon überragend ist, auch noch mal gestärkt worden. In den Pausen ging es dadurch auch gar nicht vermehrt darum, dass die Jungs irgendwelche Trainingspläne einhalten sollten. Natürlich waren auch mal bestimmte Aufgaben für alle verpflichtend, aber grundsätzlich wollen wir die Eigenmotivation der Spieler wecken und wenn wir das schaffen, kommen die Spieler auch gut durch die Zeit.

Torben Bohm (Foto: Nicole Gemperlein)

Für mich persönlich war es wichtig, die Zeit trotzdem sinnvoll zu nutzen und mich trotzdem weiterzuentwickeln. Deswegen habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie bestimmte Dinge rund um die Mannschaft optimiert werden können. Ich habe mich verstärkt den Spielprinzipien gewidmet und solche für die Mannschaft definiert. Die Jungs haben dadurch Muster im Kopf, ohne dass ihre Kreativität zu sehr eingeschränkt wird. Das hat den Jungs in den wenigen Spielen schon sehr geholfen.

Ich ziehe aus dem Jahr, dass es zwar nicht einfach war, aber wir trotzdem eine Entwicklung bei der Mannschaft erkannt haben und das ist für mich das wichtigste. Jeder muss weiter positiv bleiben und dann bin ich auch davon überzeugt, dass sich die Arbeit am Ende auch lohnen wird.

Phillip Volkmann, 28, Osnabrücker SC 2. Damen, Kreisliga Osnabrück-Land Nord

In der Zeit, in der wie spielen durften, haben wir unser Ziel Platz 1 vor Augen gehabt. Durch gutes Training und die richtige Einstellung haben wir die Spiele für uns entscheiden können. Natürlich gab es auch Spiele, in denen es schwierig war, aber mit Kampf und Leidenschaft haben wir bisher eine weiße Weste. Generell wollen wir den eingeschlagenen positiven Weg weitergehen.

Phillip Volkmann (Foto: privat)

Insgesamt hat mir die Corona-Pause einmal mehr gezeigt, wie wichtig mir der Fußball ist und sein wird. Ich vermisse es, auf dem Platz zu sein und die Gemeinschaft, die man beim Fußball erlebt. Gerade jetzt in der aktuellen Situation müssen wir mein persönliches Motto „Gemeinsam stark“ noch mehr leben und prägen. Ich freue mich schon sehr darauf, im nächsten Jahr wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.

Sebastian Stahl, 33, FSV Frankfurt U12

Wir haben in der Corona-Zeit, sowohl im ersten Lockdown mit der U13 als auch im zweiten Lockdown mit der U12, Challenges mit Profisportlern*innen gemacht. Da haben wir gemeinsam mit den Profis wie Fußballerin Julia Simic oder Ex-Schiedsrichter Urs Meier unterschiedliche Inhalte eingefordert. Die Jungs sollten die Challenges des jeweiligen Paten umsetzen und als Video einsenden. Da ging es um fußballerische Inhalte, aber auch athletische oder koordinative Aufgaben, also ein breites Spektrum.

Sebastian Stahl (Foto: privat)

Aus dem ersten Lockdown haben wir gelernt und die zweite Pause besser vorbereitet und geplant. Wir ziehen auch nur positive Dinge aus den Zwangspausen. Intelligente Menschen passen sich an. Wir hatten das Ziel, das Beste aus den Gegebenheiten herauszuholen. Der Leistungsfußball ist so schnell und auch so rücksichtlos geworden manchmal. So hatte man auch Zeit, die Kinder mal anders auszubilden. Die pädagogische Komponente hat hier eine entscheidende Rolle gespielt. Die Kinder mussten lernen, eigenverantwortlicher zu trainieren, sich besser zu strukturieren. Das ist doch das Beste, was uns Trainern passieren konnte.

Wir nehmen den Spielern heutzutage viel zu viel ab und verlangen dann, dass sie eigene Entscheidungen auf dem Platz treffen sollen. Das ist aber der völlig verkehrte Weg. Deshalb hat Corona für uns eigentlich nur positives mit sich gebracht. Ich persönlich konnte in dieser Zeit auch sehr viel lernen. Ich habe mich mit den Profis auf höchster Ebene austauschen und mich dadurch auch weiterentwickeln können. Wer sich weiterentwickeln wollte, hat sich auch weiterentwickelt. Das hat man auch bei den Jungs gesehen. Es war ein lehrreiches Jahr und allein schon deshalb ein voller Erfolg.

Philipp Willmann, 25, VfB Fichte Bielefeld, Westfalenliga Staffel 1

Es war ein aufregendes Jahr. In der Rückserie der vergangenen Saison war ich noch bei Arminia Bielefeld in der U17 als Co-Trainer tätig. Bei der Arminia hatten wir gute Bedingungen und konnten die erste Corona-Pause gut nutzen. Wir haben Online-Training angeboten, haben Pläne für die Spieler erstellt und Feedbackgespräche durchgeführt.

Philipp Willmann (Foto: Benjamin Hanke)

Dann habe ich mich entschieden, in den Herrenbereich zu gehen und beim VfB Lichte Bielefeld in der Westfalenliga ein sehr spannendes Projekt zu beginnen. Hier wollen wir dem Verein eine andere Richtung geben und setzen vor allem auf junge Spieler, die vielleicht auch noch einen Sprung nach oben machen wollen.

Der Start war nicht sehr einfach. Wir haben einige Spiele unglücklich verloren, was aber mit so einer jungen Truppe auch durchaus normal ist. Vor der erneuten Pause hatten wir zum Abschluss noch einmal einen hohen Sieg. Das tat gut. Der Zeitpunkt der Pause kam natürlich jetzt sehr unglücklich. Wir hätten gerne den Moment des Sieges mitgenommen. Trotzdem haben wir diese Zeit auch gut genutzt. Wir haben viele Challenges gemacht mit den Spielern, Online-Einheiten absolviert bei Zoom und Trainingspläne erstellt. Wir versuchen, so gut es geht, den Kontakt zu den Spielern zu pflegen, um auch einen Austausch unter den Spielern aufrechtzuerhalten. Dafür müssen die Jungs dann unter anderem auch Videos von ihren Challenges in die Gruppe bei WhatsApp stellen.

Positiv an diesem Jahr war, dass man gesehen hat, dass man auch online gut mit der Mannschaft in Kontakt bleiben kann. Was auch sehr deutlich geworden ist, wie wichtig Fans im Amateursport sind. Wir hatten eine Begrenzung von 350 Zuschauern pro Spiel und das war einfach bei jedem Heimspiel ein tolles Gefühl, diese Unterstützung im Rücken zu haben. Das ist sicherlich auch etwas, was man nach dieser Zeit noch mehr wertschätzen wird.

Marc Fischer, 32, Ratzeburger SV, Kreisliga Schleswig-Holstein Herzogtum Lauenburg

Wir hatten uns in der Winterpause einiges vorgenommen. Auch wenn wir ein paar Punkte Rückstand hatten, hatten wir uns noch etwas ausgerechnet und wollten eine Aufholjagd starten. Nach dem Auftaktsieg war es dann eine Woche später auch schon wieder vorbei. Wir haben uns dann mit Durchhalteparolen über Wasser gehalten, den Jungs immer wieder gesagt, dass sie sich fithalten sollen. Dafür gab es verschiedene Fitnesspläne für die Mannschaft. Die Jungs haben dann auch ganz gut mitgezogen. Als dann langsam klar wurde, dass die Pause länger dauern würde, habe ich dann mit den Spielern per Videokonferenz Feedback- und Einzelgespräche geführt.

Marc Fischer (Foto: Agentur 54°/Koenig)

Nach der Pause durften wir mit nur zehn Spielern gleichzeitig trainieren. Deshalb haben wir eine Art Schichttraining eingeführt. Das konnten wir als großes Trainerteam gut durchführen. Wichtig war zu Beginn, ganz langsam wieder anzufangen, weil die Pause schon sehr lang war und nicht alle Spieler auf demselben Level waren. Stück für Stück haben wir dann die Intensität gesteigert, um so auch Verletzungen vorzubeugen. Neben diesem athletischen Bereich wollten wir aber unbedingt auch das im Training machen, was die Jungs am meisten vermisst haben. Deswegen gab es viele Torschussübungen mit verschiedensten Abläufen und Spielformen in den kleinen Gruppen. Dass wir das vom Ablauf her so gut umsetzen konnten, lag vor allem an meinen Co-Trainern, bei denen ich mich gar nicht oft genug bedanken kann. Jeder wusste, was er zu tun hatte. Das war schon sehr gut.

Als wir wieder in voller Mannschaftstärke trainieren durften, haben wir Spielern mit Trainingsrückstand angeboten, eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn im athletischen Bereich an den Defiziten zu arbeiten. Irgendwann war die Gruppe dann acht Spieler groß. Das war toll zu sehen. Für uns ist das jetzt auch fast eine Do-or-Die-Saison, in der wir unsere Ziele unbedingt erreichen wollen. Das hat auch jeder begriffen und sehr gut mitgezogen.

Es war dann auch relativ schnell klar, dass wir den Sommer durchtrainieren. Ich hatte mich da immer wieder bei anderen Teams umgehört, wie die es machen. Viele hatten noch einmal eine Sommerpause eingeschoben. Ich hatte aber unter anderem in einem Podcast mit Thomas Broich und Jerome Polenz, die beide in Australien gespielt haben, gehört, wie sehr ihnen eine lange, dreimonatige Vorbereitung gefallen hat, weil man so viel mehr Zeit für die einzelnen Schwerpunkte hat.

Wir haben uns dann auch für die zwölfwöchige Vorbereitung entschieden. Die Vorteile gegenüber den anderen Teams, nicht nur die konditionellen, hat man dann in den ersten Testspielen gesehen. Da haben wir nur gegen höherklassige Teams gespielt und alles gewonnen. Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich das jetzt jedes Jahr so handhaben mit einer langen Vorbereitung. Natürlich will man irgendwann auch wieder spielen. Weil in Schleswig-Holstein noch nicht wieder gespielt werden konnte, sind wir nach Mecklenburg-Vorpommern gefahren und haben Spiele in Schwerin gemacht. Das hat sich alles ausgezahlt. Zum Saisonstart haben wir alle fünf Spiele gewonnen.

Für uns war die erneute Pause richtig schwierig, weil wir so gut drauf waren. Das Gute ist aber, dass wir die Mentalität aus dem ersten Lockdown und die Erfolgswelle mit dem Ziel vor Augen mitgenommen haben. Bis Mitte Dezember hat sich die Mannschaft mit einer Laufchallenge fitgehalten. Da haben sich die Jungs auch gegenseitig motiviert. Zum Abschluss des Jahres habe ich wieder viele Einzelgespräche geführt, in denen sich jeder Spieler persönliche Ziele gesetzt hat, die er in dieser erneuten Pause erreichen will.

Ich denke, dass man in der jetzigen Phase am einfachsten den Kopf freibekommen kann, wenn man Sport macht. Dafür stellen wir den Spielern das Rüstzeug zur Verfügung. Das ist etwas, was wir als Trainer aktuell leisten können. Auch der persönliche Kontakt spielt da eine wichtige Rolle. Auch wenn man sich gar nicht sieht, ist das zwischenmenschliche sehr wichtig. Jetzt hoffen wir, dass wir in 2021 diese für uns bisher so gute Saison zu Ende spielen können, wenn vielleicht auch nur mit halber Runde.

Ich hoffe einfach, dass die Pause nicht mehr zu lange dauert. Es fehlt schon sehr, unter der Woche abends auf dem Platz zu stehen. Das gibt einem Struktur und Halt. Auch uns Trainern.

2020 – Der Trainer-Jahresrückblick: Teil 1

2020 war ein verrücktes Jahr, in dem der Fußball nur eine untergeordnete Rolle spielte. Deutschlandweit mussten Trainer in zwei Zwangspausen, in Trainingseinheiten mit Einschränkungen, wegen ausbleibender Teamevents und ausfallenden Weihnachtsfeiern improvisieren, für ihre Spieler da sein und ganz nebenbei in der kurzen Phase, in der gespielt werden konnte, ihr Team zur Topleistung bringen. Bevor ich persönlich auf dieses Jahr zurückblicke, lasse ich eben diese Trainer zu Wort kommen. Von den Junioren bis zu den Erwachsenen, von Frauen- und von Herrenteams, von der Regionalliga bis in die Kreisliga B. Hier kommt Teil 1.

Benedetto Muzzicato, 42, Viktoria Berlin, Regionalliga Nordost

Sportlich gesehen war es für den Klub und für mich ein erfolgreiches und sehr lehrreiches Jahr. Die richtigen Entscheidungen zu treffen und das richtige Timing, wann du was machst, zu finden, war eine große Herausforderung. Der Umgang mit dem Abbruch, dem Vorbereitungsstart mit Einschränkungen, das waren schon große Aufgaben. Auch gegenüber den Jungs die richtigen Worte in diesen Situationen zu finden und sie immer wieder auf Spannung zu halten, war sehr lehrreich.

Wenn ich das ganze Jahr jetzt in einen Topf werfe, sowohl die abgebrochene Rückrunde als auch die unterbrochene Hinrunde, kann ich den Jungs nur ein großes Kompliment machen. Wir haben im ganzen Jahr nur zwei Spiele verloren, auch Test- und Pokalspiele eingerechnet, wenngleich mit dem Pokalfinale gegen Altglienicke natürlich ein besonders bitteres dabei war. Aber wir haben immer die richtige Reaktion gefunden. Unsere Serie mit 11 Siegen in 11 Spielen sucht ihresgleichen. Auch wenn es verrückt klingt, kann ich sportlich über 2020 nur positives sagen. Die Freude darüber wird natürlich durch die Situation etwas getrübt.

Wenn ich etwas mitnehme aus der ganzen Geschichte, ist es, dass man immer positiv bleiben muss, dass man das auch nach außen ausstrahlt gegenüber Mannschaft, Anhängern und Klub. Es bringt nichts, immer irgendwas schlecht zu reden und Dinge zu hinterfragen, die man nicht beeinflussen kann. „Was wäre gewesen, wenn“, hilft einem überhaupt nicht weiter. Und genau das muss man gerade der Mannschaft gegenüber immer wieder klarstellen.

Wir haben das Glück, dass wir aktuell trainieren können. Trotzdem fehlt natürlich der Wettkampf. Die Jungs wollen raus und sich messen. Ich denke auch gerade deshalb, dass wir Dinge wieder mehr zu schätzen wissen werden. Dinge, die uns jetzt fehlen. Ich freue mich jetzt schon, wieder volle Stadien zu sehen. Der Gedanke daran macht Hoffnung.

Özden Kocadal, 36, HEBC, Oberliga Hamburg

Mein Resümee für das Jahr ist aus Trainersicht durchaus positiv. Dafür, dass ich als Trainer noch nicht so viele Erfahrungen sammeln konnte, ist der Job bei HEBC für mich etwas Besonderes. Hier habe ich noch auf Grand meine ersten Schritte als Oberligaspieler gemacht und darf mich seit dem Abstieg in die Landesliga im Sommer 2019 auch als Trainer beweisen. Deshalb fängt mein Jahresrückblick auch etwas früher an. Ich durfte mich als junger Coach ausprobieren, hatte vom Verein keine Zielvorgabe außer Klassenerhalt. Und dann haben wir in der Hinrunde der vergangenen Saison die ersten zehn Spiele gewonnen, nach nur ganz wenigen schlechten Ergebnissen auch auf Rang 1 überwintert. Mit dem Schwung ging es dann auch 2020 weiter, und dann kam Corona.

Ich bin enttäuscht, dass wir den Aufstieg nicht auf unserem Platz, in unserem Vereinsheim feiern konnten. Es tat wirklich weh, dass wir die Meisterschaft nicht auf dem Platz für uns entscheiden konnten. Das ist unwissentlich schon vorher passiert, aber das ist nicht dasselbe. Auch dass verdiente Spieler, die ihre Karriere nach vielen Jahren beim HEBC beendet haben, nicht richtig verabschiedet werden konnten, tut mir weh.

Özden Kocadal (Foto: Olaf Both)

Die Herausforderung war schon zu Jahresbeginn, als klar wurde, dass wir vielleicht aufsteigen können, herauszufinden, ob wir die Oberliga überhaupt wuppen können. Da hat uns dann die Vorbereitung im Januar und Februar mit vielen Testspielen gegen Oberligisten sehr geholfen. Da haben wir uns sehr gut präsentiert und eine gute Rolle gespielt. Wir haben gesehen, dass die individuelle Qualität der Gegner zwar höher ist, aber wir uns als Team soweit entwickelt haben, dass wir mithalten können. Corona hat unsere Entwicklung dann ein zweites Mal gestoppt. Wir sind für einen Aufsteiger mit dem Ziel Klassenerhalt ganz gut in die Oberliga gestartet und waren gut drauf.

Die Pandemie im Gesamten stellt alle am Hamburger Amateurfußball beteiligten Personen vor großen Aufgaben – Verband, Vereine, Trainer und Spieler. Es ist für keinen einfach. Aber wir als Trainer haben da noch mal eine besondere Verantwortung, weil wir ein stückweit mitentscheiden, wie fit die Spieler aus der Pause kommen. Wenn aber keiner weiß, wann es weitergeht, ist es schwer, die Spieler zu motivieren. Ohne das zentrale Element, den Ball, nutzt sich jeder Laufplan schnell ab. Natürlich kann man mal ein Einzeltraining geben, aber Fußball ist ein Mannschaftssport und gerade bei unserem Verein spielt auch die Kabine eine ganz entscheidende Rolle.

Außerdem mache ich mir große Sorgen, wie wir aus dieser Zwangspause herauskommen, wie sich möglichst wenig Spieler verletzen, wenn es weitergeht. Der Fokus wird auf Fitness liegen, wenn es wieder losgeht. Die große Frage ist, wie schnell man den Fokus wieder reinbekommt. Die Pause ist einfach jetzt schon sehr lang. Die Ziele, die wir uns gesteckt haben, verblassen ja nach einer so langen Pause auch irgendwann.

Ich persönlich nutze die Zeit, um mich selbst zu reflektieren. Was kann ich besser machen, in welchen Bereich muss ich mehr Zeit investieren? Zum Glück läuft Profifußball weiter. Da kann man mit anderem Auge schon ein paar Dinge beobachten und für sich selbst ableiten. Ich muss aber auch sagen, dass mir die Zeit ohne Fußball als junger Familienvater auch guttut.

Indre Berendes, 44, SC Vier- und Marschlande 2, Bezirksliga Süd Hamburg

Ich habe in der ersten Corona-Zeit Anfang des Jahres das Amt des Co-Trainers der 2.Herren vom SCVM übernommen. Eine spannende Zeit, wenn man plötzlich vor so einer neuen großen Herausforderung steht. Eine Mannschaft zu übernehmen, die man bis jetzt nur vom Platz aus der Ferne kennt und durch die Kontaktbeschränkungen auch nicht gerade persönlich kennenlernen kann. Die Gespräche mit dem Verein, der Geschäftsführung und den Trainern haben immer nur in Zweierteams stattgefunden. 

Indre Berendes (Foto: Maurice Herzog)

Dann endlich das erste Training, endlich das erste Kennenlernen – alle auf Abstand. Für eine Frau nicht gerade eine einfache Situation: keine Herzlichkeit möglich. Dazu kommt, dass man bei einem 32-Mann-Kader auf Abstand ganz schön laut schreien muss, für mich fast brüllen. Das war schon ungewohnt und komisch. 

Training war nur in 5er Gruppen mit strengen Regeln möglich. Das hat zwar sehr geholfen, die Herren besser kennenzulernen und Zeit für persönliche Gespräche zu finden, Stärken und Potenziale auf beiden Seiten zu erkennen. Aber es hat auch eine Menge Durchsetzungsvermögen von mir gefordert, die Hygieneregeln und die dafür notwendige Disziplin einzuhalten und einzufordern. 

Die Trainingsvorbereitung war schon sehr intensiv. Eine genaue Planung war viel wichtiger also sonst. Was kann ich wie trainieren? Sind am Ende wirklich alle da? Welches Trainingsziel kann ich umsetzen? Nach welchen Kriterien teile ich das Team in welche Gruppen ein? Habe ich genug Betreuer, um die Gruppen zu coachen oder muss ich Verantwortung auf Spieler übertragen? Welche Spieler sind dafür geeignet? Viele Fragen, die man sich sonst nicht so vor dem Training gestellt hat.

Training in Corona Zeiten hat ein Umdenken erfordert und von Trainern und auch Spielern eine Menge Flexibilität. Ich würde es nicht unbedingt als negativ oder anstrengend bewerten. Im Gegenteil, man lernt sich und auch die Herren von einer anderen Seite kennen. Man findet viele neue Charakterzüge seiner Spieler. Die Zeit hat aber auch eine Menge Fingerspitzengefühl und persönliche Gespräche sowie mentales Training gekostet. Jeder geht da anders mit um. Viele der Herren arbeiten, sind teilweise selbstständig. Andere Sorgen sind auf einmal wichtig. Diese vor einem Spiel beiseite zu schieben, kostet Kraft. Oft ist das Training aber auch die perfekte Ablenkung gewesen. Aus der Kiste danach wurden manchmal zwei, mal den Kopf frei bekommen.

Die ersten Spiele waren aufregend, spannend. Neue Regeln, neue Vorsicht im Umgang miteinander. Kein Abklatschen, keine Herzlichkeit. Aber da war es schon fast wieder Gewohnheit.

Dann der zweite Lockdown. Dieses Mal geplanter, man konnte sich verabschieden, noch mal gemeinsam ein Bier trinken. Und jetzt? Was heißt das für mich als Trainer, der die persönlichen Gespräche auf dem Platz, das Training auf dem Platz und das gemeinsame Lachen/Leiden braucht? Ich erstelle Trainingspläne, Videos, Challenges und einen Fitnessadventskalender. Frage wöchentlich jeden einzelnen Spieler, wie es ihm geht und ob ich etwas für ihn tun kann. Der Haupttrainer ist beruflich selber zu sehr eingespannt und findet kaum Zeit dafür. Persönlich habe ich viele Bücher gelesen, an Trainerfortbildungen teilgenommen und den regelmäßigen Austausch mit einer vom DFB organisierten Trainergruppe gehabt. Jeder hatte immer Themen und jeder hat mal etwas vorgestellt. 

Was hat die Zeit mit mir gemacht? Eine Menge! Sie hat mich stärker werden lassen, weil ich gemerkt habe, dass ich manchmal über meine Grenzen hinauswachsen kann. Sie hat mich schwächer werden lassen, weil ich feststellen musste, was ich alles nicht kann, wo meine Grenzen sind. Sie hat mir gezeigt, dass ich es nicht allen recht machen kann und muss. Ich erreiche nicht alle im Hometraining. Aber das ist wohl okay so. Sie hat mir gezeigt, wo meine Stärken sind. 

Ich bin so oft angeeckt, aber ich bin auch über mich hinausgewachsen, habe gelernt, habe umgedacht und bin flexibel gewesen.  Und wenn ich auch nicht jeden mit meinem täglichen Fitnessvideo im Kalendertürchen erreiche, aber jeden Tag einen mehr. Ich werde nicht aufgeben! Und freue mich jeden Tag mehr, endlich wieder auf dem Platz zu stehen und die Männer wieder zu umarmen.

Tim Braun, 30, Teutonia SuS Waltrop, Bezirksliga Westfalen Staffel 09

Sportlich war der schönste Moment in diesem Jahr, als wir im Pokal mit 4:1 gegen unseren Ortsrivalen gewonnen haben. Insgesamt hatten wir aber auch einige negative Erlebnisse und die Entwicklung war nicht ganz so, wie ich sie mehr erhofft und gewünscht hatte.

Tim Braun (Foto: Rodan Can)

Auf menschlicher Ebene war es natürlich ein hartes Jahr. Ich sehe die Mannschaft schon seit zwei Monaten nicht mehr. Man vermisst den Fußball, den Umgang mit den Menschen. Es ist aber auch tatsächlich mal schön gewesen, eine Zeit ohne Fußball zu erleben. Man ist etwas entspannter, weniger gestresst. Gerade Niederlagen hatten immer großen Einfluss auf die Stimmung am Wochenende. Auch in Sachen Zeit war es mal etwas Anderes ohne Fußball. Insgesamt überwiegt das Vermissen aber schon. Meckern hilft nichts. Immer nach vorne schauen und hoffen, dass es zeitnah wieder ran geht an den Ball.

Jasper Hölscher, (22), Eimsbütteler TV U17 B-Regionalliga, DFB-Stützpunkt Hamburg-Mümmelmannsberg

Ich habe in Sachen Fußball persönlich viel Positives erlebt und das überwiegt dann tatsächlich irgendwie. So viel Negatives haben ich bezogen auf dieses Jahr gar nicht im Kopf. Ich habe als DFB-Stützpunkttrainer Fuß gefasst, dufte im Sommer die Position des Jugendkoordinators beim ETV übernehmen und trainiere erstmals eine Mannschaft überregional in der B-Regionalliga – und das macht alles extrem viel Spaß. Was mich genervt hat, war, dass wir die Rückrunde in der U16 eigentlich dazu nutzen wollten, maximal viel zu spielen, uns zu entwickeln, vielleicht noch ein paar interessante Jungs zu scouten. Das ist halt alles weggefallen. So sind wir dann fast mit dem kompletten Kader hoch in die U17 gegangen. 21 Spieler haben wir übernommen, fünf sind dazu gekommen. Das hatte dann aber auch seinen Reiz, weil viele Spieler, die es bei mehr Neuzugängen vielleicht schwer gehabt hätten, plötzlich richtig aufgeblüht sind.

Im Trainerteam haben wir den ersten Lockdown optimal genutzt, haben die neue Saison viel intensiver planen und vorbereiten können, als es vielleicht sonst der Fall gewesen wäre. Aber klar, am Ende war die Pause viel zu lang. Es tat weh, so ewig nicht auf dem Platz gestanden zu haben. Als wir dann wieder auf dem Platz waren, hat man schon gemerkt, dass viele Verletzungen die Folge der langen Pause waren, und das obwohl die Jungs sich fitgehalten hatten. Das war ein großes Learning, dass es dann eben für Gelenke und Bänder doch wieder eine andere Belastung ist.

Jasper Hölscher (Foto: Niklas Heiden)

Was dann wieder richtig genervt hat, war die ewig lange Vorbereitung. Wir haben fast 14 Wochen nur trainiert und Testspiele gehabt, sodass wir beim Saisonstart eher wieder müde Spieler hatten, als dass wir auf unserem Maximum waren. Da haben wir für den nächsten Restart auch unsere Lehren draus gezogen. Dann ging die Saison sogar echt gut los. Von den ersten drei Spielen waren direkt zwei gegen NLZ-Teams. Das hat mega Spaß gemacht und dann war schon wieder Pause. Dieses Mal haben wir es aber so gemacht, dass wir mit der uns zur Verfügung stehenden Anzahl an Trainern strukturiertes Einzeltraining anbieten konnten, so dass jeder Spieler in der Woche seine zwei bis drei Termine haben kann. Das haben wir bislang gut genutzt, um gezielt an Schwächen zu arbeiten.

Es war insgesamt natürlich ein schwieriges Jahr, aber auch total spannend für mich. Als Trainer musste ich andere Ansätze finde, andere Ideen. Aber dadurch konnte ich mich auch entwickeln. Ich habe zum Beispiel mein Einzeltraining verbessern können. Auch die Nähe zu den Spielern ist noch enger geworden, weil man sehr individuell kommunizieren musste, über Telefonate oder eben jetzt in den Einzeltrainings viel mehr Gespräche geführt hat. Dazu kommen die vielen spannenden Learnings wie die Sache mit den Verletzungen oder auch der Vorbereitungszeit. Weniger ist manchmal mehr. Ich bin gespannt aufs nächste Jahr.

Dennis Walter, 22, RSV Eintracht 1949 U14, Landesklasse Nord/West Brandenburg

2020 war ein sehr verrücktes, aufregendes und nerviges Jahr. Wir hatten uns mit der U13 sehr gut auf die Rückründe vorbereitet. Unter anderem sollten die Landesmeisterschaften Brandenburgs mit den besten acht U13 Teams in diesem Jahr auf unserer Anlage stattfinden. Außerdem wollten wir uns aufs Großfeld vorbereiten und Leistungsvergleiche unter anderem bei RB Leipzig spielen. Und dann ist daraus erstmal nichts geworden.

Wir haben die Zeit dann trotzdem gut genutzt. Wir hatten Zoom-Meetings und haben den Jungs Wochenaufgaben gegeben, bei denen sie im Team interagieren und kommunizieren mussten. Sie durften dafür auch Videos drehen und kreativ werden. Das haben die Jungs toll umgesetzt mit super Ergebnissen. So konnten wir den ersten Lockdown gut überbrücken.

Dann konnten wir in Brandenburg relativ schnell wieder Fußball spielen und ich habe für mich gemerkt, dass ich die Trainingseinheiten viel bewusster wahrgenommen und genossen und mich noch mehr darauf gefreut habe, mit den Jungs auf dem Platz zu stehen. Durch Corona hat man wieder neu gelernt, mehr auf die kleinen Dinge zu achten.

Der Start aufs Großfeld verlief dann typisch für eine U14. Lehrgeld bezahlt aber viel dazu gelernt, trotzdem viele Erfolgserlebnisse gesammelt, hart gearbeitet und dann auch gute Ergebnisse geholt und guten Fußball gespielt. Die Jungs hören zu, sind lernwillig und fragen viel. Der zweite Lockdown war dann schwieriger. Wir haben es wieder mit Zoom-Meetings und Läufen versucht, aber es war natürlich deutlich komplexer, die Spannung hochzuhalten bei bevorstehender Winterpause.

Dennis Walter (Foto: Daniel Raphaélian)

Ich persönlich konnte mich als Trainer weiterentwickeln. Ich habe viel gelesen, viele Webinare geguckt und konnte so viel lernen. Bundesliga gucke ich jetzt anders. Das habe ich auch auf dem Platz gemerkt. Ich habe auf andere Dinge geachtet, andere Sachen gecoacht, war deutlich detaillierter. Jetzt hoffe ich, dass das alles schnellstmöglich vorbei ist und ich die nächsten Schritte dann auch auf dem Platz machen kann.

Unterm Strich war die Zeit durchaus auch wertvoll. Jetzt fehlt halt der Transfer auf dem Platz. Ich habe in der Zeit gelernt, den Fußball als schönste Nebensache mehr zu genießen, losgelöst von leistungsorientiert oder nicht. Man sollte sich wieder öfter bewusst machen, dass man Trainer oder auch Spieler ist, weil man Fußball liebt.

Favorit und Verfolger

Vor dem Saisonstart treffe ich Trainerkumpel Marius Nitsch von Staffelrivale USC Paloma 2

Das grelle Licht der spätsommerlichen Nachmittagssonne spiegelt sich im Osterbekkanal. Die letzten SUP’s und Ruderboote gleiten über das Wasser. Im Restaurant „Zur Gondel“ gibt es zweimal Schokoladensoufflé mit Vanilleeis und Früchten, dazu eine Apfelschorle. Was fast wie ein erstes Date klingt, ist nur ein einfaches Treffen zweier Trainerkumpels vor dem Saisonauftakt in der Hamburger Bezirksliga Nord.

Bescheiden und selbstbewusst

An diesem idyllischen letzten Sommertag sitzt mir am Bootsanleger nämlich Marius Nitsch gegenüber, Trainer der U23 des USC Paloma, Staffelrivale und aus meiner Sicht der Topfavorit auf Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg. Als ich das erstmals erwähne, verzieht Marius das Gesicht. Der Ausdruck ist ein Mix aus „Hör bloß auf“ und „Weiß ich doch“. Bescheiden und doch selbstbewusst.

Marius versteht eine Menge von Fußball. Seitdem er 14 ist, coacht er Fußballmannschaften. Die A-Lizenz hat er seit einem Jahr in der Tasche. Jugendfußball bei TuS Berne und Concordia gehören ebenso zu seiner Vita wie die Arbeit am DFB-Stützpunkt und bei der Hamburger Auswahl. Es war der Wunsch nach sportlichem Wettkampf, nach Entwicklung einer Mannschaft, der ihn von der Talentförderung in den Herrenfußball führte.

Das Schokoladensoufflé wird serviert. Es ist wie so oft, wenn zwei Gleichgesinnte aufeinandertreffen und es um Fußball geht. Es gibt keinen Punkt, kein Komma. Wir reden über die Liga, die Gegner, über Favoriten und auch den Abstiegskampf. Es geht um den nicht in allen Belangen nachvollziehbaren neuen Spielmodus des Hamburger Fußball-Verbandes. Wir erinnern uns an unsere erste Begegnung. 3:1 war das Endergebnis für meine Mannschaft. „Da hat unser Keeper zweimal danebengegriffen“, sagt Marius mit einem Grinsen.

Wuchtig und variabel

Seitdem war sein Team gegen uns obenauf. 2:6 und 1:2 lauten die weiteren Ergebnisse aus meiner Perspektive. Und allein der Ergebnisverlauf in den direkten Duellen beschreibt die Entwicklung, die Marius beim USC Paloma 2 auf den Weg gebracht hat. Er hat den Unterbau der Oberligamannschaft in kürzester Zeit von einer zwischen Bezirks- und Kreisliga pendelnden Truppe zu einem Aufstiegskandidaten in die Landesliga geformt. Sein Team spielt dominant, physisch, presst hoch und entwickelt so schnell eine ungemeine Wucht. „In der neuen Saison wollen wir aber etwas variabler sein“, verrät er.

Das hat seine Gründe. Denn auch in der vergangenen Saison war sein Team einer der Favoriten, wurde fast überlegen Herbstmeister und lieferte auf einmal keine guten Ergebnisse mehr, rutschte in der abgebrochenen Saison in der Tabelle auf Rang 4.

Doch das ist längst abgehakt. Viel zu groß ist die Vorfreude auf die neue Saison, die direkt mit dem vermeintlichen Top-Spiel zwischen Marius‘ Palomaten und dem SC Poppenbüttel beginnt. „Ist doch gut“, sagt Marius und nippt an seiner Apfelschorle, „so eine Begegnung habe ich gerne direkt zu Beginn.“

Ehrgeizig und locker

Wenn man sich mit Marius Nitsch über Fußball austauscht, spürt man eine seltene Mischung aus Ehrgeiz und Lockerheit. Trotz A-Lizenz ist er kein Fußballprofessor, der sein Wissen jedem auf die Nase binden muss. Vielleicht ist es ja der Amateurfußball, der ihn so greifbar sein lässt. Was die Zukunft noch für ihn bringt, wisse er nicht, sagt er. Klar wird aber auch, dass er noch größere Ziele hat. Erst mit dem USC Paloma 2, und dann vielleicht auch irgendwo anders. „Es kommt, wie es kommt“, sagt er. Die Mischung aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Gelassenheit wird ihn noch weit bringen. Da bin ich mir sicher.

Wir fragen nach der Rechnung. Es dauert ewig, bis sie kommt. Deswegen gibt es noch ein paar Anekdoten zu unseren Weggefährten Jan-Hendrik Haimerl (BU) und Koray Gümüs (ETV), zu unserer Stammtisch-WhatsApp-Gruppe mit einem weiteren Haufen fußballverrückter Trainer und zu Ex-Profi Tim Borowski, der Marius beim A-Lizenz-Lehrgang nachhaltig beeindruckt hat. „Und dann sitzt du da neben dem als Trainer von Paloma 2“, grinst er.

Dann kommt doch endlich die Rechnung. Die Unterhaltung ist zu Ende, aber nur bis zum nächsten Mal. Am Spielfeldrand im Januar oder vermutlich vorher. Doch dann wahrscheinlich mit Bier und Currywurst statt Schokoladensoufflé und Apfelschorle.

Du bist mehr als nur eine Facette? Dann zeig es mit einem Hoodie!

Multitalent Trainer*in – Alleskönner viervierzwei

Von Trainern*innen wird heute viel verlangt. Sie sind Pädagogen, Mentoren, Taktikfüchse aber auch Kommunikationsexperten, Organisationstalente und Mediatoren. Ganz nebenbei sind sie auch noch Menschen. Sie müssen nicht alles perfekt beherrschen, aber von jedem ein bisschen etwas. Jeder hat seine Stärken und jeder seine Schwächen, doch ein facettenreiches Anforderungsprofil erfüllen alle Trainer*innen.

Auf den ersten Blick einfach und auf den zweiten vielschichtig – auf kein anderes Spielsystem trifft das so zu wie auf viervierzwei. viervierzwei ist die Basis. Zwei Viererketten, zwei Stürmer. Aus dieser Formation kann alles entstehen. Mit Ball. Gegen den Ball. Ein Sechser kippt ab, die Außenverteidiger schieben hoch, ein Stürmer lässt sich fallen. viervierzwei ist variabel. Es wird schnell zu einem 3-4-3 oder zu allem, was man möchte. Nicht jeder Trainer lässt viervierzwei spielen, aber jeder Trainer ist viervierzwei. Eins wird zu vielen, viele werden eins.

viervierzwei richtet sich an diese Multitalente, drückt ihre Passion aus. Die schlanke Taktiktafel als bildliche Gemeinsamkeit und eine der vermeintlich trivialsten Formationen als Ausdruck des Facettenreichtums eines Trainers / einer Trainerin. Denn genau wie hinter der Formation viervierzwei steckt hinter der Trainerfassade eine besondere Vielschichtigkeit, nein eine einzigartige.

viervierzwei führt diese beiden Teile zusammen, gibt Trainern eine Möglichkeit sich auszudrücken, auch in ihrer Freizeit.

Der Hoodie macht den Anfang

Ein Hoodie, der viervierzwei auf der Brust trägt, ist robust, stark, hält etwas aus. Genauso wie derjenige, der ihn trägt.

Jetzt richte ich mich an euch: Trainer, Spieler, Fußballbegeisterte und wer sonst noch Lust auf dieses Teil haben könnte. Ihr seid mehr als nur eine Facette, ihr habt mehr als nur eine Stärke. Zeigt es, tragt es und drückt euch aus.

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„Die Jungs in unser Stadion bringen“

Ein Gespräch mit HSV U17-Trainer Pit Reimers über gemeinsame Zeiten und unveränderte Ziele

Es war am Ende der Sommerferien 2012, als Pit Reimers und ich das erste Mal aufeinandertrafen. Pit hatte gerade die U12 des HSV übernommen und suchte einen Testspielgegner. Ich, damals noch Trainer meines 2001er Jahrgangs, nahm die Anfrage an. Auf perfekt gemähtem 9er Feld in Norderstedt und bei rund 30 Grad Außentemperatur verloren wir 0:6. Es war unsere höchste Niederlage gegen den HSV, aber nicht die schlimmste.

In den Jahren danach folgten weitere unzählige Duelle, in denen wir immer mal nah dran waren, aber Pits HSV nie knacken konnten. Mal ein 0:0 in der Halle, mal eine knappe Niederlage auf dem Feld. Immer, wenn wir hofften, es einmal packen zu können, zeigten die Jungs uns die Grenzen auf. Den bittersten Moment erlebten wir bei der Hallenmeisterschaft 2013. Mit einem Sieg im letzten Spiel gegen den HSV hätte es mit dem Titel klappen können, es wurde ein 0:3 und die Vizemeisterschaft. „Es war nie so, dass wir nach Niendorf gefahren sind und die Punkte fest einplanen konnten. Es waren immer spannende Spiele“, erinnert sich der HSV-Coach.

Hallenmeisterschaft 2012/13
Besonderheit Jahrgang 2001

Trotz der vielen Niederlagen war die Bekanntschaft mit Pit ein Gewinn. Vermutlich auch gerade, weil er unsere Arbeit schätzte, den Austausch untereinander mochte und vorantrieb. „Das war eine tolle Zeit“, sagt der 36-Jährige heute und ich denke dasselbe. Insgesamt fünf Jahre begleitete er die 2001er des HSV – von der U12 bis in die U17. „Wenn du fünf Jahre mit einem Jahrgang verbringst, dann entsteht da eine ganz besondere Bindung.“ Ähnlich ist es bei mir und meinen 2001ern.

Als Pit und ich miteinander telefonieren und über die gemeinsame Zeit sprechen, gehen wir fast alle Spieler des HSV durch und philosophieren über viele weitere Spieler dieses für uns beide besonderen Jahrgangs. Es geht unter anderem um U19-Kapitän Jonah Fabisch, der mit den Profis des HSV trainiert, um Brooklyn Ezeh, der mittlerweile in Schalkes U19 spielt und um Lenny Borges der im vergangenen Sommer zum AC Mailand gewechselt war. Ich erinnere mich an jeden einzelnen von ihnen, an ihr schon früh erkennbares, außerordentliches Talent und die vielen Momente, in denen sie uns in die Verzweiflung trieben.

Pit hat mit ihnen und vielen weiteren noch Kontakt. Grund dafür ist nicht nur die gemeinsame Zeit im Nachwuchs des HSV, sondern vielmehr seine Art zu coachen. „Der Mensch steht für mich immer an erster Stelle“, erklärt er. „Ich will den Menschen für mich und meine Idee gewinnen, bevor ich mit dem Spieler über Laufwege spreche. Egal, wen ich in meinem Leben trainieren werde, mit dem Herzen zu führen und emphatisch zu sein, will ich mir immer beibehalten.“

Wir sprechen noch ein bisschen weiter über Spieler des Jahrgangs, über Jungs, die mittlerweile im Herrenbereich des Hamburger Amateurfußballs aktiv sind. Pit freut sich, als ich ihm erzähle, dass einige 2001er der ersten Stunde mittlerweile für mein Herrenteam spielen. Es sind dieselben, die im Sommer 2012 mit 0:6 gegen Pits HSV verloren. Dieselben, die im Februar 2013 im Finale um die Hallenmeisterschaft unterlagen. Wie die Zeit vergeht.

Pit und sein HSV

Zeit, in der Pit und der HSV immer weiter zusammengewachsen sind. Er ist derzeit für die U17 des Vereins verantwortlich, Jahrgang 2003. In der laufenden, wenngleich unterbrochenen Saison spielt er noch um die Meisterschaft in der B-Bundesliga Nord/Nordost. 2019 absolvierte er erfolgreich den DFB-Fußballlehrer, hospitierte in diesem Zusammenhang bei den Profis seines Vereins und auch bei Manchester City. Pit zählt zu den Trainertalenten, die in den Nachwuchsleistungszentren des Landes ausgebildet und gefördert werden.

„Ich durfte mich hier beim HSV in den vergangenen Jahren entwickeln und tue es immer noch. Ich bin Hamburger und HSVer. Dass ich hier in meinem Verein mein Hobby zum Beruf machen konnte, macht mich glücklich und stolz“, sagt der Fußballlehrer. Seine Verbundenheit ist spürbar. Das war sie während unserer gemeinsamen Zeit und das ist sie heute noch, wenn wir miteinander sprechen.

„Die Jungs in unser Stadion bringen“, so lautet eines von Pits Zielen, „mit roter Hose, blauen Stutzen und weißem Trikot.“ Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Pit irgendwann nicht mehr beim HSV sein könnte. Er ist es schon seit 2007. Ich bin mir sicher, dass er genau hier seinen Weg weitergehen wird.

Zoom statt Torschusstraining

Doch aktuell ist auch er ausgebremst. Seine Jungs sieht er nur beim Cyber-Training via Zoom oder hört sie am Telefon. Kein Fußball wegen Corona. Mal gibt es eine Ball-Challenge, dann einen Laufplan. „Man muss das Beste aus der Situation machen“, sagt Pit, der auf eine Fortsetzung der Saison im Jugendfußball hofft.

Und während wir noch etwas über Corona, seine kurze Begegnung mit Pep Guardiola, Vincent Kompany und Dieter Hecking plaudern, erinnere ich mich an früher. Wie gern würde ich aktuell mit meinen Jungs auf der Paul-Hauenschild-Sportanlage stehen und mich auf ein Spiel gegen Pits HSV vorbereiten. So wie im Sommer 2012.

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