Die schleichende Gefahr

Warum die Politik Konzepte für den Vereinssport entwickeln sollte

Das war es wohl mit der Saison 2020/21. In Hamburg hat der Verband angekündigt, dass die aktuell unterbrochene Spielzeit spätestens am 27./28. Februar fortgesetzt werden müsste, um sie zu Ende zu spielen. Man muss kein Epidemiologe sein, um einschätzen zu können, dass dieser Termin nicht einzuhalten ist. Vermutlich ist sogar vor April/Mai nicht mit Inzidenzwerten weit unter 50 zu rechnen. Ergo: Die Mannschaftssportler gucken noch viele Wochen aus dem Fenster. Und das ist nicht gut.

Ich persönlich halte es für fahrlässig, dass die Politik keine Konzepte für den Vereinssport erarbeitet. Seit mehr als zehn Monaten gibt es diese Situation und die einzigen beiden Optionen sind „findet statt“ oder „findet nicht statt“. Natürlich sind Bereiche wie Schule deutlich wichtiger, wenngleich hier nach ähnlichem Muster verfahren wird und immer noch keine Konzepte vorliegen oder umgesetzt werden. Doch auch Vereinssport ist relevant.

Einzeltraining anbieten lassen, statt Fußball einfach zu streichen

Es droht die Gefahr einer schleichenden Fußball- bzw. Sport-Müdigkeit. Die beobachte ich bereits im eigenen Umfeld. Um Punkte zu spielen, ist verdammt weit weg. Sowohl beim Blick zurück, als auch beim Blick nach vorn. Ok, das ist so. Dass Spiele nicht stattfinden können, ist außer Frage völlig richtig. Und klar ist auch, dass Mannschaftstraining nicht möglich ist. Verständlich und sinnvoll. Wir Mannschaftssportler müssen uns aber davon verabschieden, uns nur am Spielbetrieb und am Mannschaftstraining zu orientieren. Besonders auch im Nachwuchsbereich. In Zeiten, in denen die Norm nicht mehr der Standard sein kann, muss ich nach Alternativen suchen, nicht nur ja oder nein als Optionen anbieten. Lösungen finden, statt Probleme einfach hinzunehmen. Es gibt auch etwas zwischen „findet statt“ und „findet nicht statt“.

Dieses Dazwischen ist das Einzeltraining. Wenn wir noch weitere Monate nicht wieder „normal“ trainieren dürfen, sollte in Erwägung gezogen werden, die Plätze für strukturiertes Einzeltraining wieder zu öffnen. Ein Trainer und ein Spieler. Mehr nicht. Die Plätze können dafür geviertelt oder gesechstelt werden, um die Gesamtpersonenanzahl nicht zu groß werden zu lassen. Natürlich dauert es, bis jeder Spieler einer Mannschaft mal den Ball berühren durfte, aber alles ist besser als nichts. Für ein bis zwei Monate kann man vielleicht den Stecker ziehen und alles ausfallen lassen, aber eben nicht länger.

Vereine haben gezeigt, dass sie besondere Konzepte erstellen können

Kinder könnten die Playstation irgendwann vorziehen, Erwachsene die viele Zeit mit ihrem Partner. Vereine sehen sich noch stärkerem Mitgliederschwund ausgesetzt. Dazu kommt die körperliche Entwicklung Heranwachsender, die durch die Dauer-Pause beeinträchtigt wird. Ich wäre dafür, mutigere Wege zu gehen, ohne dabei verantwortungslos zu sein. Die Vereine haben bereits gezeigt, dass sie in einer besonderen Situation besondere Konzepte erstellen und umsetzen können. Für Einzeltraining brauche ich keine Kabinen oder Ähnliches. Ich brauche einfach nur ein bis zwei Bälle, ein paar Hütchen und einen Fußballplatz unter meinen Stollen. Der Abstand zwischen Trainer und Spieler ist garantiert. Zur Not trägt der Coach eine Maske. Wäre es nicht einen Versuch wert?

Die eigenen Erfahrungen zeigen, dass das Einzeltraining in dieser Situation eine echte Alternative ist. Ich habe das Glück, auf dem Platz mit einzelnen Spielern trainieren zu können. Es macht Spaß. Es fördert die Entwicklung. Es ist vielschichtig – von Technik über Koordination bis Ausdauer. Trainer können mit dem Spieler gezielt an Schwächen arbeiten und an Stärken feilen.

Laufschuhe an und den Amateurfußball-Geist am Leben halten

Bis es flächendeckend dazu kommt, möchte ich jeden Fußballer dazu animieren, etwas für sich und seinen Körper zu tun. Egal, wie frustrierend die aktuelle Situation ist und wie wenig Perspektive einem geboten wird: Der Weg in die Trägheit ist genau der falsche. Ja, es ist grau draußen und nass und kalt. Doch zieht die Laufschuhe an, dreht eine Runde am Wochenende. Vielleicht streut ihr ein paar Intervalle ein. Setzt euch Ziele wie durchschnittliche Pace pro Kilometer. Verabredet euch mit einem Kumpel zum gemeinsamen Laufen. Sprecht über Meisterschaften, Abstiegskampf und das Bier nach einem dreckigen Sieg. Damit lasst ihr den Geist des Mannschaftssports leben, auch wenn ihr ihn derzeit nicht ausüben könnt.

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